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BQN im Gespräch

BQN im Gespräch ist unser Interviewformat. Wir sprechen mit Menschen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über strukturelle Fragen im Kontext von Diversität und Antidiskriminierung – immer eingebettet in die Arbeit unserer Projekte.

Care-Arbeit sichtbar machen – Weiterbildung intersektional verankern

Stimme aus dem Netzwerk: Jo Lücke, Liga für unbezahlte Arbeit

Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ war Jo Lücke von der Liga für unbezahlte Arbeit als Teilnehmende vertreten. In den Gesprächen rund um DiAnker wurde deutlich, wie zentral unbezahlte Care-Arbeit für Fragen von Chancengleichheit, Weiterbildung und sozialpartnerschaftlicher Verantwortung ist – und wie selten diese Perspektive bislang systematisch mitgedacht wird.

Zukunftsfähige Weiterbildung muss unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und Räume schaffen, in denen diese Perspektiven auch zu Wort kommen können. Care-Arbeit findet häufig im Privaten statt, prägt jedoch maßgeblich Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen. Die Liga für unbezahlte Arbeit arbeitet genau an dieser Schnittstelle: zwischen privaten Sorgeverhältnissen und jenen Arenen, in denen Arbeit organisiert und verhandelt wird.

Sozialpartnerschaft: Care-Arbeit verhandelbar machen

Care-Arbeit aus dem Privaten herausholen, sichtbar machen und politisch verhandelbar machen – dafür braucht es starke sozialpartnerschaftliche Allianzen.

Sozialpartner*innen können eine zentrale Rolle übernehmen, um Care-Arbeit stärker in betriebliche Kontexte und Weiterbildungsstrukturen zu integrieren. Gerade Weiterbildungsangebote bieten die Möglichkeit, Care-Arbeit als gleichstellungspolitisches und arbeitsmarktpolitisches Thema zu verankern – nicht nur für einzelne Zielgruppen, sondern auf allen Ebenen derjenigen, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen gestalten.

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dieses Potenzial: In einem großen Unternehmen wurden sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende zu gleichstellungspolitischen Themen angesprochen. Die parallele Ansprache verschiedener Ebenen erwies sich als besonders wirksam und wird inzwischen weiter ausgerollt. Solche Ansätze zeigen, wie Weiterbildung zum Hebel für strukturelle Veränderung werden kann.

Warum diskriminierungskritische Weiterbildung jetzt entscheidend ist

Im Gespräch mit Lisa Paus, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)

Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ haben wir mit der Bundestagsabgeordneten Lisa Paus darüber gesprochen, warum diskriminierungskritische Weiterbildung eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist – und welche politischen Rahmenbedingungen es dafür jetzt braucht.

Diskriminierungskritische Weiterbildung strukturell verankern

Im Gespräch mit Micha Klapp, Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (Berlin)

Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ haben wir mit Micha Klapp – Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung in der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung – darüber gesprochen, wie diskriminierungskritische Weiterbildung nachhaltig in Betrieben, in der Sozialpartnerschaft und in der öffentlichen Verwaltung verankert werden kann.

Sozialpartnerschaft: Verantwortung gemeinsam wahrnehmen

„Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände können gemeinsam entsprechende Regelungen schaffen.“

Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen bieten aus Sicht der Staatssekretärin wichtige Ansatzpunkte, um Weiterbildung nicht nur als Qualifizierungsinstrument, sondern auch als Feld von Vielfalt und Antidiskriminierung zu denken. Sozialpartnerschaftliches Handeln wird damit zu einem zentralen Motor für strukturelle Veränderung.

Außerdem macht Micha Klapp deutlich, dass Betriebsräte über das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zentrale Rechte und Instrumente haben, um gerechtere Zugänge zu Weiterbildung zu ermöglichen. Über konkrete Regelungen können so Barrieren abgebaut und mehr Beschäftigten echte Teilhabe eröffnet werden.

Gemeinsam handeln für gerechte Dienstleistungen – Rückblick auf den 3. Runden Tisch im Projekt DiFair

“Alle Verwaltungen tragen beim Thema Migration Verantwortung! Migrationsrechtliche Grundlagen müssen für jede Dienstleistung operationalisiert werden.”

Von der Theorie zur Praxis: Bei den ersten beiden Runden Tischen haben wir über migrationsrechtliche Grundlagen und diskriminierungskritische Haltung gesprochen. Beim dritten stand nun solidarisches Handeln im Mittelpunkt. MSOs, Verwaltungen und dienstleistende Organisationen haben gemeinsam daran gearbeitet, wie das konkret aussehen kann – vor allem dort, wo Drittstaatsangehörige noch immer auf strukturelle Zugangsbarrieren treffen.

Schnell wurde deutlich: Egal ob im Bereich Jugend & Familie, Gesundheit oder Bildung – tagtäglich bleibt Menschen mit Migrationserfahrung der Zugang zu wichtigen Dienstleistungen verwehrt. Nicht weil sie keinen Anspruch haben, sondern weil Informationen fehlen, Verfahren unklar sind oder Zuständigkeiten nicht geklärt werden.

Diese Hindernisse sind kein Zufall. Sie entstehen dort, wo Migration noch nicht als echtes Querschnittsthema in der Verwaltung verstanden und gelebt wird. Wenn Zuständigkeiten in einzelnen Ressorts bleiben, bleibt Solidarität Theorie.

Wie lässt sich das ändern? Es braucht Formate, in denen Bedarfe systematisch zurückgemeldet werden können und in denen Verwaltung und Communities gemeinsam an einem Tisch sitzen. Dafür braucht es ein Miteinander, das Verantwortung teilt – und klare Strukturen schafft, die Veränderungen nicht dem Zufall oder der Freiwilligkeit überlassen. Denn: Verwaltung ist kein Selbstzweck, sondern arbeitet für alle Berliner*innen.

Besonders wichtig bei diesem Austausch war die Frage nach Beteiligung: Wie können Drittstaatsangehörige selbst aktiv einbezogen werden? Solidarische Praxis heißt, Betroffene nicht nur mitzudenken, sondern sie aktiv einzubeziehen. Keine Entscheidungen über Drittstaatsangehörige ohne Drittstaatsangehörige! Dazu braucht es verlässliche Ressourcen, echte Kooperationsräume und eine Verwaltung, die bereit ist, sich mit der Realität der Menschen auseinanderzusetzen und ihre Anliegen ernst zu nehmen.

Der Austausch hat gezeigt:

  • Migration muss als Querschnittsthema in allen Verwaltungen verankert werden.
  • Solidarische Praxis entsteht, wenn Entscheidungsprozesse gemeinsam gestaltet werden.
  • Gute Zusammenarbeit gelingt nur, wenn alle Akteur*innen ihre Handlungsspielräume nutzen.
  • Manche Veränderungen brauchen verbindliche Strukturen sowie finanzielle und personelle Ressourcen – nicht nur guten Willen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden für Eure Expertise, Klarheit und Beharrlichkeit.

Lasst uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dass solidarisches Handeln in Berlin Realität wird!

Förderlogos

Wer Wirkung definiert, bestimmt, wessen Realität zählt

Wer Wirkung definiert, bestimmt, wessen Realität zählt

– Erkenntnisse aus unserer Wirkungsmessung im Kontext diversitätsorientierter Kompetenzentwicklung 

Autorin: Marta Gębala
Redaktion: Lara Chahal, Hannah Gedamu, Matthias Pfleger, Karina Sávio, Serdar Yazar

Wie wirksam sind Diversity-Trainings wirklich? Wie viel verändern Diversity-Klauseln in Stellenausschreibungen? Woran erkennen wir, dass ein Organisationsentwicklungsprozess im Kontext von Diversität und Antidiskriminierung mehr als gute Absicht ist? Die Frage, ob unsere Arbeit tatsächlich etwas bewegt, gehört zum inneren Kompass von BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz. Die regelmäßige Auseinandersetzung damit treibt uns an, neue Ansätze zu entwickeln und ist zugleich – nicht selten – Quelle von Frust, da wir immer wieder an Grenzen der Wirksamkeit stoßen. 

Im November 2025 wurden wir mit dem PHINEO Wirkt-Siegel für besonderes Wirkungspotenzial im Abbau von Diskriminierung ausgezeichnet. PHINEO gAG zeichnet damit Organisationen aus, die sich für Demokratie einsetzen und durch einen beson­de­ren Ansatz, hohe Qua­li­tät und mess­ba­re Wirk­sam­keit über­zeu­gen. Wir freuen uns über diese Anerkennung und verstehen sie zugleich als Einladung, unser Wirkungsverständnis und einige zentrale Erkenntnisse aus der Wirkungsmessung zur diversitätsorientierten Kompetenzentwicklung genauer zu erläutern. 

Wer definiert Wirkung? 

Für BQN heißt Wirkung: Diskriminierung und Diskriminierungsrisiken abbauen, Diversität in Strukturen einschreiben und Zugänge zu Macht und Ressourcen gerechter verteilen. Ein gutes Diversity-Training erkennen wir nicht am Applaus im Seminarraum. Eine gute Beratung nicht an hohen Zufriedenheitsquoten, sondern an Praxis, die sich verändert. Wirksamen Abbau von Diskriminierung erkennen wir an Veränderungen in der Funktionslogik, an neuen Routinen und veränderten Handlungsmustern – kurz: an allem, was Diskriminierung im Alltag tatsächlich schwieriger macht. Wie zeigt sich das konkret: 

Wenn eine Auswahlkommission nicht nur einen neuen Leitfaden zur diskriminierungskritischen Auswahl erarbeitet, sondern ihn in der Entscheidungssituation tatsächlich nutzt – auch unter Zeitdruck und im Konflikt. Wenn Betroffene nicht mehr die einzigen sind, die Rassismus benennen. Wenn Führungskräfte verstanden haben, dass Nicht-Reagieren auf Diskriminierung und Wegschauen eine Entscheidung ist, und nicht Neutralität. 

Gleichzeitig wissen wir: Diversity-Prozesse in Organisationen lassen sich als Beleg guter Absicht inszenieren. Diversity kann sehr gut funktionieren, ohne irgendetwas zu verändern. Institutionen lernen schnell, wie man die richtigen Begriffe und Hashtags findet, Leitbilder formuliert, Strategiepapiere verabschiedet, und gleichzeitig genau jene Routinen unangetastet lässt, die Diskriminierung täglich reproduzieren.  

Daher steht neben den gängigen Wirkungsmodellen wie verschachtelte Wirkungstreppe und Impact Evaluation im Zentrum unseres Wirkungsverständnisses die Einsicht, dass wirksamer Abbau von Diskriminierung nicht nur die Frage von sauberer Ziellogik und plausibler Indikatoren ist, sondern eine Frage von Perspektiven, Positionierungen und Entscheidungsmacht. Deshalb schauen wir bei unseren Vorhaben nicht nur auf Ziele und Maßnahmen, sondern auch auf die Architektur der Deutungshoheit: Wer ist dabei, wenn Ziele und beabsichtigte Wirkung definiert werden? Wer fehlt? Wer profitiert am Ende von der Zielerreichung bei diversitätsorientierten Prozessen? Das Image der Organisation? Oder Menschen, die Diskriminierung erfahren? Wer ist bei der Bewertung der Zielerreichung dabei? Wer Wirkung definiert und bewertet, bestimmt, wessen Realität in der Organisation zählt. Diese Fragen sind kein Zusatz. Sie sind der Kern dessen, was wir unter Wirkung verstehen und anstreben und – Korrektiv gegen Diversity als Selbstberuhigung.

Wirkung messen: ein Realitätscheck 

Unserem eigenen Anspruch in der Praxis gerecht zu werden, ist deutlich komplexer. Wirkung im Antidiskriminierungskontext lässt sich nicht mit einer Wunder-Metrik einfangen, deshalb arbeiten wir mit einer Toolbox aus quantitativen und qualitativen Ansätzen. Für unsere Kompetenzentwicklungsmaßnahmen haben wir modellhaft den Vorher-Nachher-Befragungsansatz entwickelt und erprobt: Teilnehmende werden vor und nach der Fortbildung zur Erweiterung migrationsgesellschaftlicher und Diversity-Kompetenz befragt, operationalisiert entlang von Wissen, Haltung und Handlung bzw. Können, zugeschnitten auf Anforderungsprofile, Tätigkeitsbezüge und konkrete Inhalte. Methodisch ist das stark. Die Alltagspraxis holt uns trotzdem ein: die Befragung bindet Aufmerksamkeit, die eigentliche Lernprozesse überlagern kann. In internen Formaten beeinflusst die betriebliche Mitbestimmung bzw. zustimmungspflichtige Gremien das Timing, der doppelte Fragebogen kostet Zeit und senkt die Rücklaufquote, und das Instrument ist nicht skalierbar, sondern muss für jede Fortbildung neu angepasst werden. Inhaltlich sehen wir deutliche Zuwächse in Wissen und Haltung, während Handlungsergebnisse nüchterner ausfallen – ein Hinweis nicht auf Scheitern, sondern darauf, dass Handlung im Organisationsalltag an mehr Bedingungen geknüpft ist: Vielleicht zeigt sie sich erst nach dem Seminarraum, wenn der Arbeitsalltag Raum dafür lässt, vielleicht brauchen wir mehr didaktische Handlungsproben, vielleicht erfassen wir Handlung noch nicht präzise genug. Um diese Hypothesen zu testen, ergänzen wir die Befragungen um strukturierte Fokusgruppeninterviews und Follow-up-Gespräche, und Reflexionsjournale der Durchführenden, die Veränderungsprozesse durchgehend dokumentieren und die wir mittels qualitativer Inhaltsanalyse auswerten – weil dort die Feinheiten sichtbar werden: wo Wirkung greift, wo sie stockt und welche Routinen sie wieder neutralisieren. Vor allem zeigen die Journale die Mikro-Momente der Veränderung, wenn Teilnehmende sich beim Sprechen selbst korrigieren, wenn Sprache präziser wird, wenn Menschen darauf achten, wie viel Raum sie einnehmen, und wenn die Glaubenssätze und biografischen Narrative erkennbar werden, die das Handeln bisher unbewusst mitgesteuert haben.

Jenseits der Zahlen

Was zeigt sich, wenn wir ehrlich hinschauen? Drei Erkenntnisse ziehen sich durch unsere Arbeit: 

Wirkung hat eine affektive Signatur. Unsere deskriptiven Erhebungen sind voll von einer affektiven Realität: Trotz, Kränkung, Erschöpfung, Hoffnung, Ärger. Sie benennen ungewöhnlich offen: rechtspopulistische Schatten im Raum, grundsätzliche Infragestellung antirassistischer Perspektiven, Überlastung, wütende Mails von Führungskräften, die den Aufwand nicht einsehen, und gleichzeitig Teamgefühl, politische Energie, das Gefühl, an etwas Wegweisendem zu arbeiten. Wenn wir von Wirkung sprechen, müssen wir diese affektive Dimension mitdenken: Wo markiert Widerstand, dass tatsächlich an Machtverhältnissen gerüttelt wird, und nicht nur an Formulierungen? Wo werden Konflikte zugunsten eines „harmonischen“ Fortbildungsklimas befriedet, und Wirkung damit neutralisiert? Wirkung ist nicht dort am größten, wo alle zufrieden sind, sondern dort, wo Organisationen bereit sind, Irritation, Konflikt und Uneindeutigkeiten auszuhalten, und trotzdem dranzubleiben.  

Organisationale Diversity-Kompetenz braucht Lernspiralen, keine Häppchen. Unsere Daten zeigen deutlich: Wissen und Haltung wachsen, Handlung weniger – zumindest kurzfristig. Das ist kein Argument gegen Fortbildungen, sondern für ihre richtige Architektur: Lernspiralen, kontinuierliche Lernräume, Fallarbeit und eine strategische Einbettung, die Handlung im Alltag möglich macht. Ein Training kann Orientierung geben – ob daraus Praxis wird, entscheidet die Organisation und die Tatsache, ob sie eine Erwartung formuliert, nicht zu diskriminieren, ob aktives diskriminierungskritisches Handeln anerkannt wird, oder als Störung betrachtet wird.  

Fehlende strukturelle Wirkung und Nebenwirkungen gehören zur ehrlichen Bilanz. Wir erleben Organisationen, in denen diversitätsorientierte Vorhaben, die auf der Konzeptebene und Formulierungen stehen bleiben, ohne, dass sich die Praxis der Organisation spürbar verändert. Genau deshalb sind langzeitorientierte Follow-up-Gespräche so wichtig. Es zeigen sich dort manchmal unerwartete, aber wertvolle Effekte: informelle Kommunikationspfade, neue Querschnittsallianzen, mehr Zirkulation zwischen Bereichen. Nicht jede Zielkurve trifft den Plan – aber manchmal entsteht genau dabei die Infrastruktur, die echte Veränderung später trägt. 

Entscheidend ist dabei die Bereitschaft, über das Ausbleiben der strukturellen Wirkung offen zu sprechen. Nicht als Makel, sondern als Arbeitsauftrag: als Motivation, andere Hebel zu suchen, Verantwortung klarer zu verankern und strukturelle Barrieren konsequenter zu adressieren. 

Wirkung trifft Macht

BQN begleitet Organisationen in diversitätsorientierter Organisations- und Kompetenzentwicklung aus einer klaren zivilgesellschaftlichen Verantwortung heraus. Unsere Arbeit wird überwiegend durch Fördermittel getragen. Diese Verortung konfrontiert uns – wie viele weitere Organisationen – mit einem weiteren Spannungsfeld der Wirkungslogik: einem politischen. 

Aktuell gerät Antidiskriminierungs- und Diversity-Arbeit unter Legitimationsdruck. Sie soll „wirksam“ sein, aber bitte schnell, konfliktfrei, reibungslos und in Zahlen belegbar. Genau hier droht der Wirkungsdiskurs in eine neoliberale Verkürzung zu kippen: Förderwürdig erscheint dann vor allem, was kurzfristig effizient aussieht und sich „glatt” messen lässt. Wirkung wird dabei mit Output verwechselt – mit hohen Teilnehmendenzahlen, schnell dokumentierbaren Aktivitäten und öffentlichkeitswirksam vorzeigbaren Signalen der Diversitätsorientierung. So entsteht ein Entlastungsnarrativ. Das verschiebt Prioritäten: Projekte geraten unter Druck, Events zu produzieren, statt Veränderung zu verankern, langfristige Strukturarbeit wird unterbetont und die Hinwirkung auf fachpolitische Rahmenbedingungen, die Diskriminierung begünstigen, bleibt unter dem Radar.   

Damit kehrt sich um, was am Anfang stand: die Frage, wer Wirkung definiert und bewertet. Wenn politische Konjunkturen, Förderlogiken und Verwaltungsroutinen vor allem am Entlastungsnarrativ orientierte Effizienz und Messbarkeit verlangen, bestimmen nicht mehr jene, die Diskriminierung erfahren, was als wirksam gilt –, sondern diese Logiken. Die Perspektive Betroffener ist in dieser Architektur strukturell nicht vorgesehen. Sie kommen kaum zu Wort. Und wenn doch, wird erwartet, dass auch dieses Wort „glatt” ist: messbar, „neutral”, administrativ handhabbar – möglichst anspruchslos und idealerweise dankbar für das gewährte Gehörtwerden. 

Gleichzeitig wird dieselbe Wirkungslogik zunehmend als Kontrollinstrument genutzt. Nicht nur dezidiert rechte, sondern auch konservative und sich als „Mitte” verstehende politische Kräfte greifen Wirkungsanforderungen auf, um zivilgesellschaftliche Antidiskriminierungsarbeit zu hinterfragen, kontrollieren oder delegitimieren. Während Betroffene also kaum Möglichkeit haben, Wirkung im Abbau von Diskriminierung einzufordern, haben jene, die Diskriminierung reproduzieren, zunehmend Macht, mit genau dieser Wirkungslogik kritische Arbeit unter Druck zu setzen. Je stärker Wirkungslogiken auf schnelle Zahlen zielen, desto mehr geraten selbst Antidiskriminierungsakteur*innen – zivilgesellschaftliche als auch staatliche – in eine Rechtfertigungsspirale und setzen einander unter Druck, statt sich strukturell zu entlasten.  

Wir weigern uns, Wirkung auf das zu reduzieren, was sich „glatt” und unstrittig beschreiben lässt. Unser Anspruch auf (Selbst-)Wirksamkeit dient dabei nicht dazu, Antidiskriminierungsansätze als „Produkte“ zu verkaufen oder unsere Arbeit marktgängig zu verpacken, sondern dazu, uns selbst an dem messen zu lassen, was wir politisch versprechen. Denn Wirkung ist in unserer Praxis kein technischer Messwert, sondern ein Aushandlungsprozess: Wir bringen Analyse, Prozesswissen und diskriminierungskritische Haltung ein; Organisationen ihre Macht, Ressourcen und die Bereitschaft, an eigenen Routinen zu rütteln. Erst in diesem Zusammenspiel – und mit der Perspektive derer, die Diskriminierung erfahren, im Zentrum – kann sich etwas verschieben. Kurzzyklische Wirkungslogiken, die nach einem Jahr „harte“ Zahlen verlangen, blenden diesen Zeithorizont aus, und entwerten am Ende genau jene Arbeit, die Diskriminierungsrisiken strukturell abbaut.  

Deshalb verstehen wir das PHINEO Wirkt-Siegel nicht nur als Anerkennung, sondern auch als Auftrag: weiterhin ehrlich zu messen, offen über Grenzen zu sprechen und die Frage nach Wirkung immer wieder politisch zu stellen. Wirkung bleibt für uns keine Frage von sauberen Zahlen, sondern eine Frage von Verantwortung, Perspektive und dem Mut, auch dann weiterzumachen, wenn der Weg unbequem wird – gegenüber unserem Anspruch, unseren Partner*innenorganisationen und vor allem gegenüber den Menschen, für die der Abbau von Diskriminierung keine abstrakte Zielsetzung, sondern existenziell ist.

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Antidiskriminierung fördern – mitten im Einsatzbetrieb

Die eigene migrationsgesellschaftliche Kompetenz stärken – wie kann das gelingen zwischen Schichtbetrieb, wechselndem Personal und Einsatzfahrten?

Mit dieser Frage hat sich die Feuerwache Urban als Pilotprojekt innerhalb der Berliner Feuerwehr 13 Monate lang beschäftigt. Den Prozess hin zu einer diskriminierungskritischen Ausrichtung hat BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz im Projekt Berlin braucht dich! NEO begleitet.

Im Fokus des Pilots stand die Umsetzung des Berliner Partizipations- und Integrationsgesetzes (PartMigG). Das Gesetz verpflichtet öffentliche Einrichtungen – wie auch die Berliner Feuerwehr – dazu, Vielfalt strukturell zu verankern und Diskriminierung aktiv abzubauen, mit besonderem Fokus auf Menschen mit Migrationsgeschichte. Gemeinsam mit BQN-Berater*innen wurde daran gearbeitet, diese gesetzlichen Anforderungen in den Arbeitsalltag einer Feuerwache zu übersetzen – mit all seinen besonderen Rahmenbedingungen.

Den Grundstein legte eine eigens zusammengestellte Steuerungsgruppe, die sich unter BQN-Anleitung mit Konzepten wie ‚Herkunft‘, ‚Teilhabe‘ und ‚Vielfalt‘ vertraut machte. Von Anfang an war klar: Vielfältige Perspektiven sollten nicht nur theoretisch diskutiert, sondern praktisch gelebt werden. So kamen Kolleg*innen unterschiedlicher Dienstgrade und Berufserfahrung zusammen, sowie verschiedene Geschlechter und auch unterschiedliche Grade der Offenheit gegenüber dem Thema Antidiskriminierung.

Nach 13 Monaten Veränderungsarbeit mit BQN entstand ein praxisnaher Gesprächsleitfaden, der Schlüsselereignisse aus dem Wachalltag besprechbar macht – Situationen, in denen Diskriminierung erlebt, beobachtet oder ausgelöst wurde. Reflexion, Austausch und gemeinsames Lernen können so direkt im Arbeitsalltag stattfinden.

Besonders geprägt haben den Prozess zwei Führungskräfte der Feuerwache Urban: Shawn Long, Wachleiter mit über 30 Jahren Feuerwehrerfahrung, brachte sich punktuell in den Prozess ein und steuerte die Führungsperspektive bei. Kilian Teuwsen, Wachabteilungsleiter, arbeitete kontinuierlich in der Steuerungsgruppe mit und trägt das Thema auch in seine Tätigkeit als Lehrkraft an der Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie.

Im Videointerview sprechen beide darüber, was sie aus dem Prozess mitnehmen – für ihre Wache, aber auch für die Berliner Feuerwehr insgesamt. Sie berichten von den Herausforderungen, verständlich über ein komplexes Gesetz wie das PartMigG zu sprechen, und zeigen, wie wichtig Reflexion, Offenheit und professionelle externe Begleitung für nachhaltige Veränderungsprozesse sind.

Diese Erfahrung bestätigt einen zentralen Ansatz unserer Arbeit bei BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz: Wirkungsvolle Antidiskriminierungsarbeit setzt an den Strukturen an, nicht bei den Menschen. Die Feuerwache Urban hat bewiesen, dass sich Vielfalt und Antidiskriminierung auch mitten im hektischen Einsatzbetrieb verankern lassen – wenn man die richtigen Werkzeuge hat, Menschen beteiligt und bereit ist, neue Wege zu gehen.

Zukunftsfähigkeit gemeinsam gestalten: Rückblick auf die Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ 

Rund 300 Tage nach Projektstart öffnete DiAnker erstmals den Raum für eine größere öffentliche Begegnung – und machte sichtbar, wie viel Energie und Potenzial in diskriminierungskritischer Weiterbildung steckt. Im Berlin Global Village kamen Unternehmen, Sozialpartner*innen, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam an einer gerechteren, teilhabe- und potentialorientierten Arbeitswelt zu arbeiten. Der Tag zeigte eindrucksvoll: Zukunftsfähige Weiterbildung entsteht dort, wo Perspektiven geteilt, Strukturen hinterfragt und sozialpartnerschaftliche Kräfte gebündelt werden. 

Austausch während des Gallery Walks mit teilnehmenden Unternehmen | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotograf: Robin Kirchner

Ein Raum für Austausch, Haltung und Impulse 

Besonders sichtbar wurde die aktive Zusammenarbeit mit den acht beteiligten Unternehmen: Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass die Veranstaltung Raum für echten Austausch bot. Die Unternehmensvertreter*innen beteiligten sich nicht nur als Gäste, sondern als Mitgestaltende des Projekts: Sie brachten Einblicke aus ihren Prozessen ein, erarbeiteten Inhalte und teilten Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchenperspektiven. 

Beim Prozess-Update lieferten die Unternehmen kurze Blitzlichter aus ihrer Praxis – diese Inhalte flossen anschließend in Poster ein, die im Gallery Walk von allen Teilnehmenden betrachtet, diskutiert und weitergedacht wurden. Die Atmosphäre war offen und konzentriert – getragen von dem gemeinsamen Interesse, Herausforderungen sichtbar zu machen und wirksame Wege für mehr Teilhabe zu entwickeln. 

In ihrem Grußwort ruf Miloslava Büger, Projektleitung bei DIAnker, hevor, dass Weiterbildung nicht nur Qualifizierung bedeutet, sondern eine Investition in Menschen und organisationalen Wandel ist. Dieser Gedanke zog sich durch viele Gespräche des Tages: etwa wenn Teilnehmende die Bedeutung von Zeitressourcen, Mitbestimmung oder gerechteren Zugängen als Voraussetzungen erfolgreicher Weiterbildung betonten. 

In ihrer Keynote machte Micha Klapp, Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung, deutlich, dass diskriminierungskritische Weiterbildung ein zentrales Handlungsfeld aktueller Transformationsprozesse sei. Sie verwies darauf, dass Sozialpartnerschaft „entscheidend dafür ist, Chancengleichheit in der Arbeitswelt vorzuleben und strukturell zu verankern“. Zugleich brauche es politische Weiterentwicklungen wie eine Reform des AGG und ein modernes Gleichstellungsgesetz, um Betriebe und Verwaltung in ihrer Verantwortung zu stärken. 

Staatssekretärin Micha Klapp während ihrer Keynote zu sozialpartnerschaftlichem Handlen | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotograf: Robin Kirchner

Werkstätten: Wo Visionen auf Praxis treffen 

In drei Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an konkreten Hebeln für eine diskriminierungskritische Weiterbildungslandschaft. Auch hier brachten die beteiligten Unternehmen ihre Perspektiven und bisherigen Projekterfahrungen aktiv ein – vom Umgang mit strukturellen Hürden bis hin zu ersten Veränderungen in ihren Organisationen. 

  • Sozialpartnerschaft & Mitbestimmung: Wie können Betriebs- und Personalräte Bedarfe sichtbar machen und Weiterbildungsstrukturen barrierearm gestalten? 
  • Sprache & Zugänge: Welche Rolle spielen digitale Tools, Übersetzungen oder Arbeitszeitmodelle beim Zugang zu Lernräumen? 
  • Kooperation & Zukunftsfähigkeit: Wie lässt sich Weiterbildung in Zeiten von Transformation priorisieren – und was braucht es dafür von Führungskräften und Organisationen? 

Viele Teilnehmende beschrieben die Werkstätten als „ermöglichende Räume“, in denen man spürte, dass Herausforderungen nicht individuell getragen werden müssen. Eine Person formulierte es so: Es sei erleichternd zu sehen, „dass andere mit denselben strukturellen Hürden kämpfen – und dass Kooperation der Schlüssel für Veränderung ist“. 

Teilnehmende stellen ihre Ergebnisse während der Workshop-Phase vor | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotograf: Robin Kirchner

Diskriminierungskritische Weiterbildung im Fokus: Ein Podium mit klaren Botschaften 

Das Podium – mit Lisa Paus (MdB), Anna Friedrich (BKMO), Pia Bräuning (IG Metall) und Miloslava Büger (Projektleitung DiAnker) – zeigte eindrücklich, wie sehr diversitätsorientierte Weiterbildung als Querschnittsthema gedacht werden muss: Sie berührt wirtschaftliche Transformationsprozesse ebenso wie betriebliche Strukturen, Zugänge, soziale Teilhabe und individuelle Entwicklungswege.“ 

Die Diskussion machte deutlich: 

  • Zukunftsfähigkeit heißt, Diversität mitzudenken – und zwar nicht nur als Haltung, sondern als strukturelle Verankerung in Tarifverträgen, Dienstvereinbarungen und Weiterbildungsstrategien. 
  • Antidiskriminierung ist ein dauerhafter Prozess, kein punktuelles Angebot. 
  • Nur wenn Mitbestimmung und Vielfalt zusammen gedacht werden, können Weiterbildungsstrukturen tatsächlich inklusiver werden. 

Mehrere Gäste verwiesen zudem auf den gesellschaftlichen Kontext: In Zeiten von Backlashs gegen Gleichstellung brauche es klare politische Signale und starke Bündnisse, die Empathie und Gerechtigkeit nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreifen. 

Ein Tag, der verbindet – und der Mut macht 

Ob in den Pausen oder beim Ausklang: Der Tag zeigte, wie sehr der Austausch zwischen Unternehmen, Verbänden, Politik und Zivilgesellschaft gebraucht wird. Viele Stimmen betonten, dass Kooperationsfähigkeit eine zentrale Ressource für die kommenden Jahre sei – und dass Projekte wie DiAnker dafür wichtige Resonanzräume schaffen. 

Deutlich wurde auch, dass Weiterbildung nur erfolgreich sein kann, wenn zivilgesellschaftliche Expertise einbezogen wird und Migrant*innenselbstorganisationen als wichtige Partner*innen anerkannt werden. „Sensibilisierung und Organisationsentwicklung gehören zusammen“, fasste eine Podiumsteilnehmerin zusammen. 

Podiumsrunde (v.l.n.r.): Pia Bräuning (IG Metall), Anna Friedrich (BKMO), Serdar Yazar (BQN, Moderation), Lisa Paus (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Miloslava Büger (Projektleitung DiAnker) | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotograf: Robin Kirchner

Wie es weitergeht: Der Weg zu 2027 

Mit der Netzwerkveranstaltung beginnt für DiAnker die nächste Projektphase: Die Zusammenarbeit mit den acht beteiligten Unternehmen wird vertieft, sozialpartnerschaftliche Strukturen weiter erprobt und gute Praxis sichtbar gemacht. Bis 2027 entstehen Ansätze, die zeigen, wie diskriminierungskritische Weiterbildung dauerhaft in Betrieben verankert werden kann – als Teil einer gerechteren, innovativen und zukunftsfähigen Arbeitswelt. 

DiAnker bleibt dabei das, was der Tag eindrucksvoll gezeigt hat: 
Ein Projekt, das Perspektiven, Strukturen und Menschen verbindet. 

Abschlussrunde | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotograf: Robin Kirchner



Von der Haltung zur Handlung: Die DOKE Kompetenz-Werkstatt als Impuls für Veränderung von Dienstleistungen in der Berliner Verwaltung

Mit dem erfolgreichen Abschluss der ersten Kompetenz-Werkstatt der Fachstelle DOKE endet ein intensiver Lern- und Entwicklungsprozess sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Berliner Verwaltung. Über mehrere Monate hinweg trafen sich Mitarbeitende aus verschiedenen Behörden, um gemeinsam an diskriminierungskritischen und diversitätsorientierten Verwaltungsleistungen zu arbeiten. Das Ergebnis: neue Perspektiven, konkrete Veränderungsvorhaben und ein starkes Netzwerk engagierter Diversity-Multiplikator*innen.

Ein Raum zum Lernen, Üben und Vertrauen

Schon bei den ersten Modulen war spürbar: Diese Werkstatt war kein gewöhnliches Weiterbildungsformat. Die Atmosphäre war geprägt von Wertschätzung, Offenheit und Lernbereitschaft.

Trainer*innen und Teilnehmende beschrieben den Raum als einen geschützten Ort, in dem auch herausfordernde Themen Platz hatten. Diese Haltung zog sich durch die gesamte Weiterbildung: Wissen, Haltung und Handlungskompetenz wurden miteinander verwoben. Die Teilnehmenden reflektierten ihre eigene Rolle, Positioniertheit und Macht und entwickelten konkrete Projekte, mit denen sie Veränderung in ihren Verwaltungen anstoßen wollen.

Eine Trainerin fasste es so zusammen: „Die Teilnehmenden sind toll – sie haben’s einfach verstanden!“

Lernen durch Erfahrung: Von der Theorie in die Praxis

In zwölf intensiven Weiterbildungstagen – verteilt auf vier Module – beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Grundlagen von Diversitätsorientierung, Methoden der Organisationsentwicklung, der Zusammenarbeit mit Communities und dem Transfer in ihre eigene Verwaltungspraxis.

Besonders wichtig war der Theorie-Praxis-Transfer: Wie lässt sich das Gelernte in den Arbeitsalltag einbringen? Welche Veränderungsvorhaben sind realistisch – und für wen bringen sie tatsächlich einen Mehrwert?

Viele erlebten dabei echte Aha-Momente. „Ich schätze diese Weiterbildung sehr, weil sie mein Selbstbewusstsein stärkt und ich den Mut habe, Dinge zu benennen und anzusprechen“, sagte eine teilnehmende Person aus einer Bezirksverwaltung in der Reflexionsrunde. Andere betonten, wie wichtig es sei, eigene Wissenslücken anzuerkennen und Expert*innen außerhalb der Verwaltung einzubeziehen.

Die Begegnung mit zivilgesellschaftlichen Organisationen (ZGOs) führte zu tiefen Einsichten: in gewachsene Vertrauensbrüche, aber auch in das Potenzial einer echten Zusammenarbeit. Es wurde deutlich, wie viel schon durch vermeintliche Beteiligung an Vertrauen zerstört werden kann – und dass es nicht nur um Einbeziehung von ZGOs, sondern auch um Anerkennung und Honorierung von Wissen geht.

Herausforderungen als Teil des Prozesses

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien, die Diskussion über Diskriminierungserfahrungen in und mit der Verwaltung – all das war nicht immer leicht. Doch gerade diese Reibungspunkte machten den Lernprozess so wertvoll.

Manchmal war das Programm dicht, manchmal riefen die Perspektiven aus der Zivilgesellschaft Irritation hervor. Doch genau darin zeigte sich die Stärke des Formats: Es hielt den Raum, auch wenn es unbequem wurde.

Eine Trainerin erinnerte sich: „Es war bewegend zu sehen, wie sehr sich die Gruppe auf den Prozess eingelassen hat. Es gab so viel Vertrauen – auch darin, dass wir als Team die richtigen Methoden mitbringen und die Räume halten.“

Verwaltung gestalten – statt nur verwalten

Rückblickend zeigt die Kompetenz-Werkstatt, was möglich ist, wenn Verwaltung Lernprozesse ernst nimmt. Die Teilnehmenden haben nicht nur neues Wissen erworben, sondern auch begonnen, die eigene Rolle als gestaltende Kraft innerhalb der Verwaltung zu verstehen.

Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Frage: Für wen entsteht durch mein Veränderungsvorhaben mehr Zugänglichkeit, Teilhabe oder Gerechtigkeit? Diese Perspektive verschiebt den Fokus hin zu den Menschen, für die Verwaltungsarbeit gemacht ist.

So wurde die Werkstatt zu einem Labor für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Behörden, Zivilgesellschaft und der Stadtgesellschaft insgesamt.

Eine Weiterbildung mit Zukunft

Die Kompetenz-Werkstatt hat zunächst als ein einmaliges Weiterbildungsangebot der Fachstelle DOKE gestartet. Inzwischen hat sie gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt. Denn: Verwaltung lernt durch Erfahrung, Austausch und Haltung.

Oder, wie es eine Teilnehmende formulierte: „Ich dachte, ich hätte eine Aufgabe in meinem Profil, die eigentlich leer war. Jetzt weiß ich: Ich kann sie selbst mit Inhalt füllen.“

Die DOKE Kompetenz-Werkstatt hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen sich auf den Prozess einlassen, gemeinsam reflektieren und Verantwortung übernehmen.