Zukunftsfähigkeit gemeinsam gestalten: Rückblick auf die Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“
Rund 300 Tage nach Projektstart öffnete DiAnker erstmals den Raum für eine größere öffentliche Begegnung – und machte sichtbar, wie viel Energie und Potenzial in diskriminierungskritischer Weiterbildung steckt. Im Berlin Global Village kamen Unternehmen, Sozialpartner*innen, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam an einer gerechteren, teilhabe- und potentialorientierten Arbeitswelt zu arbeiten. Der Tag zeigte eindrucksvoll: Zukunftsfähige Weiterbildung entsteht dort, wo Perspektiven geteilt, Strukturen hinterfragt und sozialpartnerschaftliche Kräfte gebündelt werden.

Ein Raum für Austausch, Haltung und Impulse
Besonders sichtbar wurde die aktive Zusammenarbeit mit den acht beteiligten Unternehmen: Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass die Veranstaltung Raum für echten Austausch bot. Die Unternehmensvertreter*innen beteiligten sich nicht nur als Gäste, sondern als Mitgestaltende des Projekts: Sie brachten Einblicke aus ihren Prozessen ein, erarbeiteten Inhalte und teilten Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchenperspektiven.
Beim Prozess-Update lieferten die Unternehmen kurze Blitzlichter aus ihrer Praxis – diese Inhalte flossen anschließend in Poster ein, die im Gallery Walk von allen Teilnehmenden betrachtet, diskutiert und weitergedacht wurden. Die Atmosphäre war offen und konzentriert – getragen von dem gemeinsamen Interesse, Herausforderungen sichtbar zu machen und wirksame Wege für mehr Teilhabe zu entwickeln.
In ihrem Grußwort ruf Miloslava Büger, Projektleitung bei DIAnker, hevor, dass Weiterbildung nicht nur Qualifizierung bedeutet, sondern eine Investition in Menschen und organisationalen Wandel ist. Dieser Gedanke zog sich durch viele Gespräche des Tages: etwa wenn Teilnehmende die Bedeutung von Zeitressourcen, Mitbestimmung oder gerechteren Zugängen als Voraussetzungen erfolgreicher Weiterbildung betonten.
In ihrer Keynote machte Micha Klapp, Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung, deutlich, dass diskriminierungskritische Weiterbildung ein zentrales Handlungsfeld aktueller Transformationsprozesse sei. Sie verwies darauf, dass Sozialpartnerschaft „entscheidend dafür ist, Chancengleichheit in der Arbeitswelt vorzuleben und strukturell zu verankern“. Zugleich brauche es politische Weiterentwicklungen wie eine Reform des AGG und ein modernes Gleichstellungsgesetz, um Betriebe und Verwaltung in ihrer Verantwortung zu stärken.

Werkstätten: Wo Visionen auf Praxis treffen
In drei Workshops arbeiteten die Teilnehmenden an konkreten Hebeln für eine diskriminierungskritische Weiterbildungslandschaft. Auch hier brachten die beteiligten Unternehmen ihre Perspektiven und bisherigen Projekterfahrungen aktiv ein – vom Umgang mit strukturellen Hürden bis hin zu ersten Veränderungen in ihren Organisationen.
- Sozialpartnerschaft & Mitbestimmung: Wie können Betriebs- und Personalräte Bedarfe sichtbar machen und Weiterbildungsstrukturen barrierearm gestalten?
- Sprache & Zugänge: Welche Rolle spielen digitale Tools, Übersetzungen oder Arbeitszeitmodelle beim Zugang zu Lernräumen?
- Kooperation & Zukunftsfähigkeit: Wie lässt sich Weiterbildung in Zeiten von Transformation priorisieren – und was braucht es dafür von Führungskräften und Organisationen?
Viele Teilnehmende beschrieben die Werkstätten als „ermöglichende Räume“, in denen man spürte, dass Herausforderungen nicht individuell getragen werden müssen. Eine Person formulierte es so: Es sei erleichternd zu sehen, „dass andere mit denselben strukturellen Hürden kämpfen – und dass Kooperation der Schlüssel für Veränderung ist“.

Diskriminierungskritische Weiterbildung im Fokus: Ein Podium mit klaren Botschaften
Das Podium – mit Lisa Paus (MdB), Anna Friedrich (BKMO), Pia Bräuning (IG Metall) und Miloslava Büger (Projektleitung DiAnker) – zeigte eindrücklich, wie sehr diversitätsorientierte Weiterbildung als Querschnittsthema gedacht werden muss: Sie berührt wirtschaftliche Transformationsprozesse ebenso wie betriebliche Strukturen, Zugänge, soziale Teilhabe und individuelle Entwicklungswege.“
Die Diskussion machte deutlich:
- Zukunftsfähigkeit heißt, Diversität mitzudenken – und zwar nicht nur als Haltung, sondern als strukturelle Verankerung in Tarifverträgen, Dienstvereinbarungen und Weiterbildungsstrategien.
- Antidiskriminierung ist ein dauerhafter Prozess, kein punktuelles Angebot.
- Nur wenn Mitbestimmung und Vielfalt zusammen gedacht werden, können Weiterbildungsstrukturen tatsächlich inklusiver werden.
Mehrere Gäste verwiesen zudem auf den gesellschaftlichen Kontext: In Zeiten von Backlashs gegen Gleichstellung brauche es klare politische Signale und starke Bündnisse, die Empathie und Gerechtigkeit nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreifen.
Ein Tag, der verbindet – und der Mut macht
Ob in den Pausen oder beim Ausklang: Der Tag zeigte, wie sehr der Austausch zwischen Unternehmen, Verbänden, Politik und Zivilgesellschaft gebraucht wird. Viele Stimmen betonten, dass Kooperationsfähigkeit eine zentrale Ressource für die kommenden Jahre sei – und dass Projekte wie DiAnker dafür wichtige Resonanzräume schaffen.
Deutlich wurde auch, dass Weiterbildung nur erfolgreich sein kann, wenn zivilgesellschaftliche Expertise einbezogen wird und Migrant*innenselbstorganisationen als wichtige Partner*innen anerkannt werden. „Sensibilisierung und Organisationsentwicklung gehören zusammen“, fasste eine Podiumsteilnehmerin zusammen.

Wie es weitergeht: Der Weg zu 2027
Mit der Netzwerkveranstaltung beginnt für DiAnker die nächste Projektphase: Die Zusammenarbeit mit den acht beteiligten Unternehmen wird vertieft, sozialpartnerschaftliche Strukturen weiter erprobt und gute Praxis sichtbar gemacht. Bis 2027 entstehen Ansätze, die zeigen, wie diskriminierungskritische Weiterbildung dauerhaft in Betrieben verankert werden kann – als Teil einer gerechteren, innovativen und zukunftsfähigen Arbeitswelt.
DiAnker bleibt dabei das, was der Tag eindrucksvoll gezeigt hat:
Ein Projekt, das Perspektiven, Strukturen und Menschen verbindet.
