Antidiskriminierung fördern – mitten im Einsatzbetrieb
Die eigene migrationsgesellschaftliche Kompetenz stärken – wie kann das gelingen zwischen Schichtbetrieb, wechselndem Personal und Einsatzfahrten?
Mit dieser Frage hat sich die Feuerwache Urban als Pilotprojekt innerhalb der Berliner Feuerwehr 13 Monate lang beschäftigt. Den Prozess hin zu einer diskriminierungskritischen Ausrichtung hat BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz im Projekt Berlin braucht dich! NEO begleitet.
Im Fokus des Pilots stand die Umsetzung des Berliner Partizipations- und Integrationsgesetzes (PartMigG). Das Gesetz verpflichtet öffentliche Einrichtungen – wie auch die Berliner Feuerwehr – dazu, Vielfalt strukturell zu verankern und Diskriminierung aktiv abzubauen, mit besonderem Fokus auf Menschen mit Migrationsgeschichte. Gemeinsam mit BQN-Berater*innen wurde daran gearbeitet, diese gesetzlichen Anforderungen in den Arbeitsalltag einer Feuerwache zu übersetzen – mit all seinen besonderen Rahmenbedingungen.
Den Grundstein legte eine eigens zusammengestellte Steuerungsgruppe, die sich unter BQN-Anleitung mit Konzepten wie ‚Herkunft‘, ‚Teilhabe‘ und ‚Vielfalt‘ vertraut machte. Von Anfang an war klar: Vielfältige Perspektiven sollten nicht nur theoretisch diskutiert, sondern praktisch gelebt werden. So kamen Kolleg*innen unterschiedlicher Dienstgrade und Berufserfahrung zusammen, sowie verschiedene Geschlechter und auch unterschiedliche Grade der Offenheit gegenüber dem Thema Antidiskriminierung.
Nach 13 Monaten Veränderungsarbeit mit BQN entstand ein praxisnaher Gesprächsleitfaden, der Schlüsselereignisse aus dem Wachalltag besprechbar macht – Situationen, in denen Diskriminierung erlebt, beobachtet oder ausgelöst wurde. Reflexion, Austausch und gemeinsames Lernen können so direkt im Arbeitsalltag stattfinden.
Besonders geprägt haben den Prozess zwei Führungskräfte der Feuerwache Urban: Shawn Long, Wachleiter mit über 30 Jahren Feuerwehrerfahrung, brachte sich punktuell in den Prozess ein und steuerte die Führungsperspektive bei. Kilian Teuwsen, Wachabteilungsleiter, arbeitete kontinuierlich in der Steuerungsgruppe mit und trägt das Thema auch in seine Tätigkeit als Lehrkraft an der Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie.
Im Videointerview sprechen beide darüber, was sie aus dem Prozess mitnehmen – für ihre Wache, aber auch für die Berliner Feuerwehr insgesamt. Sie berichten von den Herausforderungen, verständlich über ein komplexes Gesetz wie das PartMigG zu sprechen, und zeigen, wie wichtig Reflexion, Offenheit und professionelle externe Begleitung für nachhaltige Veränderungsprozesse sind.
Diese Erfahrung bestätigt einen zentralen Ansatz unserer Arbeit bei BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz: Wirkungsvolle Antidiskriminierungsarbeit setzt an den Strukturen an, nicht bei den Menschen. Die Feuerwache Urban hat bewiesen, dass sich Vielfalt und Antidiskriminierung auch mitten im hektischen Einsatzbetrieb verankern lassen – wenn man die richtigen Werkzeuge hat, Menschen beteiligt und bereit ist, neue Wege zu gehen.