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Schlagwort: Berlin braucht dich! NEO

12 Impulse für diskriminierungskritische Unterrichtsmaterialien

Unterrichtsmaterialien sind nie neutral. Sie entscheiden mit, welche Lebensrealität als normal gilt – und welche nicht. Wer in Bildern vorkommt, wer in Beispielen auftaucht, welche Familienformen gezeigt werden, wie über Herkunft oder Behinderung gesprochen wird – das alles sendet Signale an alle Schüler*innen im Raum.

Durch ein Sensitivity-Reading können Materialien kritisch auf Stereotype und Diskriminierung geprüft werden. Es geht also darum, Signale in Text und Bild bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen. Nicht als einmaliger Check, sondern als Haltung, die man immer wieder mitbringt.

BQN arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Arbeit, Bildung und Antidiskriminierung, auch in Zusammenarbeit mit Schulen. Intersektional angelegt, geben wir unsere Expertise in Beratungen, Fortbildungsreihen und fachpolitischen Impulsen weiter – und achten dabei auf Praxisnähe und Anwendbarkeit.

Was das konkret für den Schulalltag bedeutet? 12 Impulse zeigen Möglichkeiten für diskriminierungskritische Unterrichtsmaterialien auf:

#1 – Das Material ist spannend: Schüler*innen können ihre Träume, Pläne, Kompetenzen und Potenziale mit Spaß und Neugier erkunden.

Beispiel: Das Material beinhaltet Farben und anschauliche Beispiele. Kreative Aufgaben regen Schüler*innen zur neugierigen Auseinandersetzung mit ihren eigenen Ideen an.

Warum das wichtig ist: Wenn Schüler*innen sich in Materialien wiederfinden und Freude am Lernen entwickeln, steigt ihre Motivation und ihr Selbstvertrauen. Ansprechend gestaltete Materialien signali-sieren: Deine Gedanken und Ideen sind willkommen.

#2 – Das Material kann selbst-ständig aber auch gemeinsam gelesen, besprochen oder bearbeitet werden.

Beispiel: Für die Wissensvermittlung werden unterschiedliche Zugänge und Methoden genutzt.

Warum das wichtig ist: Schüler*innen lernen unterschiedlich – manche brauchen Stille und Eigenzeit, andere profitieren vom Austausch. Materialien, die verschiedene Lernwege ermöglichen, fördern Inklusion und stärken sowohl Selbstständigkeit als auch soziale Kompetenzen.

#3 – Das Material nutzt eine Sprache, die alle Geschlechter einschließt.

Beispiel: Im Material werden geschlechtsneutrale Begriffe wie “Lehrkräfte” oder Formulierungen wie “Lehrer*innen” verwendet.

Warum das wichtig ist: Sprache prägt, wie wir die Welt wahrnehmen und verstehen. Materialien, die alle Geschlechter sprachlich einschließen, vermitteln Schüler*innen: Du bist gemeint, du gehörst dazu – unabhängig von deiner Geschlechtsidentität.

#4 – Das Material hat Bezug zur Lebenswelt der Schüler*innen und zeigt unterschiedliche Lebensrealitäten.

Beispiel: Es tauchen Bilder mit Alltagssituationen auf, z.B. wie Schüler*innen öffentliche Verkehrsmittel und Smartphones nutzen

Warum das wichtig ist: Wenn Schüler*innen sich in Beispielen und Bildern wiedererkennen, steigt nicht nur die Motivation. Es entsteht auch das Gefühl: Meine Realität ist hier gemeint. Das stärkt Zugehörigkeit und Lernbereitschaft.

#5 – Das Material ist aktuell im Hinblick auf Demokratiebildung und Medienkompetenz.

Beispiel: Das Material enthält Hinweise zum Umgang mit Fake News, rechten Symbolen und Sprache.

Warum das wichtig ist: Demokratie und kritisches Denken müssen aktiv geübt werden. Materialien, die aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen, bereiten Schüler*innen darauf vor, sich in einer komplexen Informationswelt zu orientieren und mündig zu handeln.

#6 – Das Material zeigt unterschiedliche Körperbilder.

Beispiel: Es werden Menschen unterschiedlicher Körperformen, Hautfarben und Bewegungsformen (z.B. im Rollstuhl) gezeigt.

Warum das wichtig ist: Wenn nur bestimmte Körper sichtbar sind, entsteht ein enges Bild davon, was als „normal“ gilt – und wertet dadurch andere Körper als “anders” und weniger wert (othering). Vielfältige Körperdarstellungen helfen Schüler*innen, ein positives Selbstbild zu entwickeln und Vorurteile gegenüber anderen abzubauen.

#7 – Das Material verbindet Herkunft nicht mit Vorurteilen.

Beispiel: Das Thema Migration wird nicht immer nur mit Armut und Schmerz verbunden.

Warum das wichtig ist: Migration ist Teil vieler Lebensgeschichten – mit all ihren Facetten: Entscheidungen, Hoffnungen, Neuanfängen, Herausforderungen und Erfolgen. Wird das Thema nur einseitig erzählt, entsteht ein verzerrtes Bild. Differenzierte Darstellungen stärken die Würde der Betroffenen und fördern bei allen Schüler*innen ein komplexeres Verständ-nis von Mobilität und Zugehörigkeit.

#8 – Das Material zeigt mehr als “normale” gesellschaftliche Beziehungen, Familien und Rollenbilder.

Beispiel: Es gibt Bilder von Schüler*innen, die in queeren Familien leben oder die alleinerziehende Eltern zeigen.

Warum das wichtig ist: Viele Schüler*innen wachsen in Familienformen auf, die in Materialien kaum vorkommen. Werden diese sichtbar gemacht, fühlen sie sich zugehörig – und alle Schüler*innen lernen, Vielfalt als selbstverständlichen Teil des Lebens zu begreifen.

#9 – Das Material stellt Menschen in Beruf und Arbeit nicht stereotypisch dar.

Beispiel: Es werden Schwarze Frauen in Berufen wie Ingenieurinnen und männliche gelesene Personen in Berufen wie Pfleger oder Erzieher gezeigt.

Warum das wichtig ist: Stereotype Berufsbilder engen die eigene Vorstellungskraft ein. Materialien, die Berufe vielfältig und ohne Klischees darstellen, hinterfragen gesellschaftliche Zuschreibungen – und laden Schüler*innen ein, ihre eigenen Potenziale unabhängig davon zu entdecken.

#10 – Das Material stellt Menschen aus benachteiligten Gruppen in aktiven Rollen dar oder in Situationen, in denen sie Entscheidungen treffen.

Beispiel: Menschen aus benachteiligten Gruppen stehen im Vorder-grund und/oder sind als Leitung erkennbar.

Warum das wichtig ist: Wer andere stets nur als Hilfsbedürftige wahrnimmt, verkennt ihre Handlungsmacht. Wenn marginalisierte Menschen als Akteur*innen dargestellt werden, die Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, wird ein realistischeres und respektvolleres Bild vermittelt.

#11 – Das Material verwendet Selbstbezeichnungen.

Beispiel: People of Colour, Rom*nja und Sint*izze

Warum das wichtig ist: Selbstbezeichnungen erkennen das Recht von Menschen an, sich selbst zu benennen. Ihre Verwendung in Materialien ist ein Zeichen von Respekt und vermittelt Schüler*innen, dass Sprache Macht hat – und dass es darauf ankommt, wer spricht.

Eine kleine Auswahl an Glossaren, Quellen & Material zu Selbstbezeichnungen, die wir auch in unserer eigenen Arbeit verwenden:

#12 – Das Material zeigt Menschen aus benachteiligten Gruppen als stark und selbstbestimmt.

Beispiel: Ein unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter wird als selbstständig und handlungsfähig dargestellt. Er trifft eigene Entscheidungen, plant seine Zukunft (z. B. Ausbildung) und organisiert seinen Alltag. In Texten wird beschrieben, dass er Pläne macht. In Bildern wird er z.B. beim Ausfüllen von Formularen oder im Gespräch mit Lehrkräften gezeigt.

Warum das wichtig ist: Schüler*innen, die selbst Fluchterfahrungen gemacht haben, verdienen eine Darstellung, die ihre Stärke und Handlungsfähigkeit sichtbar macht. Und alle anderen lernen: Menschen mit Fluchtgeschichte sind Personen, die aktiv planen, entscheiden und gestalten – nicht nur Objekte von Fürsorge oder Mitleid.

Über Berlin braucht dich! NEO

Berlin braucht dich! NEO- Kompetenz-Netzwerk für empowernde und diskriminierungskritische Organisations- und Personalentwicklung“ ist seit 2006 im Bildungsbereich aktiv. Wir setzten uns besonders für (junge) Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Rassismuserfahrungen ein. Mit innovativen Methoden, fundiertem Praxiswissen und klarer antirassistischer Haltung arbeiten wir daran, bestehende Ungleichheiten abzubauen, so dass langfristig der Zugang zu Berufsorientierung, Ausbildung und Berufseinstieg und -aufstieg im Land Berlin strukturell verbessert und gefördert wird.

Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Plus durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Berlin gefördert.

Strukturen verändern, nicht Menschen anpassen: Rückblick auf die Fachveranstaltung “WANDELBAR – kreative Impulse für diskriminierungskritische Räume” von Berlin braucht dich! NEO

Am 06.05.2026 lud Berlin braucht dich! NEO zur Fachveranstaltung WANDELBAR – kreative Impulse für diskriminierungskritische Räume ins Berlin Global Village. Über 70 Teilnehmende aus Schulen, der Berufsorientierung, Verwaltung, Betrieben, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um gemeinsam zu diskutieren und zu fühlen, was es bedeutet, Strukturen zu verändern und diskriminierungskritische Räume zu gestalten. Der Tag markierte das Ende der aktuellen Förderphase und war damit ein Moment des Innehaltens. Drei Jahre, in denen 13 Organisationen beraten wurden, zwei Fortbildungsreihen Multiplikator*innen gestärkt haben und immer wieder fachpolitische Impulse zum PartMigG gesetzt wurden.

Austausch während der Kennenlernrunde | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Ein politisches Signal zum Auftakt

Das Grußwort von Cansel Kızıltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, setzte den Rahmen und betonte die Wirkung des Projekts. Ihr Beitrag würdigte die Arbeit des Projekts: Seit fast 20 Jahren spricht Berlin braucht dich! über Diskriminierung und Ungleichheiten und setzt konkret an den Strukturen an. Durch das Stärken junger Menschen, das Eröffnen von Perspektiven und das Begleiten von Organisationen in der kritischen Reflexion von Handlungsweisen und Zugängen, sensibilisiert Berlin braucht dich! NEO und macht zugleich klar, dass diskriminierungskritische Perspektiven kein Extra sind.

Senatorin Cansel Kızıltepe während ihres Grußwortes | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Keynote: Auf dem Weg zu einer Welt frei von systemischer Unterdrückung

In ihrer Keynote nahm Dr. Emilia Roig die Teilnehmenden mit auf eine tiefgehende Auseinandersetzung mit intersektionaler Gerechtigkeit. Sie beleuchtete die Notwendigkeit, Differenzen als Konstruktionen für Hierarchisierung zu verstehen und zeigte auf, was es braucht, um diese Konstruktionen zu überwinden.

Dr. Emilia Roig während ihrer Keynote zu intersektionaler Gerechtigkeit | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Die Ausstellung: Wandel spürbar machen

Das Herzstück des Tages war die interaktive Ausstellung. Die Ausstellung machte praxisnah und emotional erfahrbar, wie die Arbeit an diskriminierungskritischen Strukturen aussehen kann und welche Fragen sie aufwirft. Wer hat Macht, und wer nicht? Welche Strukturen schützen, welche schließen aus? Und was kann ich eigentlich tun, wenn ich etwas verändern will?

Ob bei einer Traumreise zur eigenen Berufsorientierung, dem Spiegel zur eigenen Macht oder dem Privilegien-Rucksack – die Ausstellung machte spürbar, was Veränderungsprozesse wirklich bedeuten: Widerstand erleben und bearbeiten, Gefühle wahrnehmen, gemeinsam mit Kolleg*innen den Ermessensspielraum erweitern. Teilnehmende konnten auf Spurensuche gehen und nachvollziehen, was entstanden ist: erprobte Werkzeuge, angewendete Methoden und vor allem Stimmen von Menschen, die diesen Weg mitgegangen sind.

Teilnehmende in WANDELBAR – unserer interaktiven Ausstellung | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Von der Theorie in die Praxis: Die Diskussionstische

An fünf Diskussionstischen kamen Expert*innen aus Verwaltung, Schule, Kultur und Politik mit den Teilnehmenden in den Austausch. Die Teilnehmenden hielten gelungene und vielversprechende Ansätze für diskriminierungskritische Strukturen fest. Aber auch einige Forderungen und Leerstellen, wo es in Zukunft noch weitere Strukturen, Ressourcen und Verbindlichkeiten braucht.

Damit junge Menschen vor Diskriminierung geschützt werden, betonten die Teilnehmenden die Wichtigkeit von mit Ressourcen ausgestatten Anlaufstellen und transparenten Interventionsverfahren an Schulen. Weiterhin brauche es eine Weiterentwicklung des Landeskonzepts für Berufliche Orientierung, das strukturelle Ungleichheiten im Übergang Schule-Beruf anerkennt, sowie Teilhabe und den Abbau von Diskriminierungsrisiken als Querschnittsaufgaben schulischer Berufsorientierung einfordert.

An den Diskussionstischen rund um das PartMigG ging es um die Etablierung von Plänen zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Migrationsgeschichte (Förderpläne) und die strukturelle Verankerung migrationsgesellschaftlicher Kompetenz in Organisationen. Mit Blick auf die Förderpläne hielten die Teilnehmenden fest, wie wichtig ein strategisches Vorgehen, ein nachhaltiges Monitoring, eine gute Kommunikation in die Organisation hinein und intersektionale Synergien mit weiteren, bestehenden Antidiskriminierungsvorhaben in der Organisation seien. Um migrationsgesellschaftliche Kompetenz systematisch als Schlüsselqualifikation zu verankern, brauche es passende, im Arbeitsalltag verankerte Tools sowie Lern- und Austausch-Räume für unterschiedliche Beschäftigtengruppen. Die Teilnehmenden wiesen aber auch darauf hin, dass es an verbindlichen Konsequenzen fehle, wenn Organisationen ihren Pflichten nach PartMigG nicht nachkommen.

Die Runden zeigten also: Die Fragen, die das Projekt drei Jahre lang begleitet haben, sind noch längst nicht abschließend beantwortet. Sie brauchen weitere Räume, weitere Stimmen und weitere Verbindlichkeit.

Teilnehmende diskutieren zum PartMigG | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Wir bleiben dran – wie es jetzt weitergeht:

Auch nach der Fachveranstaltung bleibt im Projekt Berlin braucht dich! der Fokus auf gerechte Zugänge zu beruflicher Bildung, Ausbildung, Beschäftigung und beruflichem Aufstieg.

Weiterhin werden wir in den nächsten Jahren Behörden und landeseigene Betriebe zur Umsetzung des PartMigG begleiten und beraten – zukünftig mit einem noch stärkeren Schwerpunkt auf die Entwicklung von Förderplänen nach PartMigG.

Auch der Übergang von der Schule in den Beruf und der Berufseinstieg in betriebliche Ausbildung bleibt ein wichtiges Kernanliegen des Projekts. Insbesondere im Fokus sind hier der Abbau von Diskriminierungsrisiken und das Gestalten empowerment- und teilhabe-orientierter Angebote für junge Menschen mit Migrationsgeschichte.

Handlungsleitend im Projekt ist weiter der Ansatz an Strukturen. Und die Überzeugung, dass Wandel möglich ist – wenn wir ihn gemeinsam gestalten.

Antidiskriminierung fördern – mitten im Einsatzbetrieb

Die eigene migrationsgesellschaftliche Kompetenz stärken – wie kann das gelingen zwischen Schichtbetrieb, wechselndem Personal und Einsatzfahrten?

Mit dieser Frage hat sich die Feuerwache Urban als Pilotprojekt innerhalb der Berliner Feuerwehr 13 Monate lang beschäftigt. Den Prozess hin zu einer diskriminierungskritischen Ausrichtung hat BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz im Projekt Berlin braucht dich! NEO begleitet.

Im Fokus des Pilots stand die Umsetzung des Berliner Partizipations- und Integrationsgesetzes (PartMigG). Das Gesetz verpflichtet öffentliche Einrichtungen – wie auch die Berliner Feuerwehr – dazu, Vielfalt strukturell zu verankern und Diskriminierung aktiv abzubauen, mit besonderem Fokus auf Menschen mit Migrationsgeschichte. Gemeinsam mit BQN-Berater*innen wurde daran gearbeitet, diese gesetzlichen Anforderungen in den Arbeitsalltag einer Feuerwache zu übersetzen – mit all seinen besonderen Rahmenbedingungen.

Den Grundstein legte eine eigens zusammengestellte Steuerungsgruppe, die sich unter BQN-Anleitung mit Konzepten wie ‚Herkunft‘, ‚Teilhabe‘ und ‚Vielfalt‘ vertraut machte. Von Anfang an war klar: Vielfältige Perspektiven sollten nicht nur theoretisch diskutiert, sondern praktisch gelebt werden. So kamen Kolleg*innen unterschiedlicher Dienstgrade und Berufserfahrung zusammen, sowie verschiedene Geschlechter und auch unterschiedliche Grade der Offenheit gegenüber dem Thema Antidiskriminierung.

Nach 13 Monaten Veränderungsarbeit mit BQN entstand ein praxisnaher Gesprächsleitfaden, der Schlüsselereignisse aus dem Wachalltag besprechbar macht – Situationen, in denen Diskriminierung erlebt, beobachtet oder ausgelöst wurde. Reflexion, Austausch und gemeinsames Lernen können so direkt im Arbeitsalltag stattfinden.

Besonders geprägt haben den Prozess zwei Führungskräfte der Feuerwache Urban: Shawn Long, Wachleiter mit über 30 Jahren Feuerwehrerfahrung, brachte sich punktuell in den Prozess ein und steuerte die Führungsperspektive bei. Kilian Teuwsen, Wachabteilungsleiter, arbeitete kontinuierlich in der Steuerungsgruppe mit und trägt das Thema auch in seine Tätigkeit als Lehrkraft an der Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie.

Im Videointerview sprechen beide darüber, was sie aus dem Prozess mitnehmen – für ihre Wache, aber auch für die Berliner Feuerwehr insgesamt. Sie berichten von den Herausforderungen, verständlich über ein komplexes Gesetz wie das PartMigG zu sprechen, und zeigen, wie wichtig Reflexion, Offenheit und professionelle externe Begleitung für nachhaltige Veränderungsprozesse sind.

Diese Erfahrung bestätigt einen zentralen Ansatz unserer Arbeit bei BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz: Wirkungsvolle Antidiskriminierungsarbeit setzt an den Strukturen an, nicht bei den Menschen. Die Feuerwache Urban hat bewiesen, dass sich Vielfalt und Antidiskriminierung auch mitten im hektischen Einsatzbetrieb verankern lassen – wenn man die richtigen Werkzeuge hat, Menschen beteiligt und bereit ist, neue Wege zu gehen.

Reflexion, Haltung und Empowerment – gemeinsam Berufsorientierung gestalten

Wie kann empowernde und diskriminierungskritische Berufsorientierung gelingen? Wir blicken zurück auf unsere Fortbildungsreihe!

In den letzten Monaten hat Berlin braucht dich! NEO eine 3-modulige Fortbildungsreihe für Akteur*innen und Berufsberatende im Bereich der Berufsorientierung und -beratung durchgeführt. Teilnehmende haben Werkzeuge erhalten, um strukturelle Barrieren nachhaltig abzubauen und Gleichberechtigung sowie Wirkungskraft in der Berufsberatung zu fördern.

Verbindung schaffen, Wirkung stärken

Zentraler Ansatz war dabei “verbunden zu sein” – individuell und kollektiv. Es ging um die Verbindung mit den eigenen Werten, Emotionen, Haltung und Rolle als Berufsberatende*,* mit Kolleg*innen und der eigenen Organisation, sowie zu anderen Menschen und Organisationen im Kontext Schule – Beruf.

Ein Raum für Vernetzung, Inspiration und nächste Schritte

Wir haben uns ausgetauscht, diskutiert und Pläne geschmiedet:

  • Wie gehe ich mit Diskriminierung im Kontext Berufsberatung um?
  • Wie schaffe ich die Gratwanderung für realistisches Empowerment von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrungen?
  • Welche Verantwortung und Möglichkeiten haben Berufsberatende in ihrer Rolle?
  • Wie kann ich diskriminierungskritische Beratung in Schulen für mich selbst umsetzen?

Dabei war die Fortbildungsreihe ein Ort der Begegnung und Vernetzung. Mit Wärme, Herzlichkeit und Offenheit hatten Berufsberatende Räume für Austausch, um Inspiration zu sammeln und Kraft zu tanken.

Diskussionen machten auch Herausforderungen deutlich: unklare Hierarchien, Entscheidungen auf anderer Ebene als die Umsetzung, und berufliche Träger*innen, die wenig Verantwortung für strukturelle Veränderung übernehmen.

Was bleibt, sind die Erkenntnisse aus intensiven Austauschen, Reflexion der eigenen Rolle und konkrete Pläne für Veränderung in den Organisationen. Und nicht zuletzt die Erkenntnis:

Empowernde Berufsorientierung braucht solidarische Netzwerke!

Gemeinsam weiter – für einen gerechten Übergang von Schule – Beruf

Deshalb gestaltet Berlin braucht dich! NEO auch weiterhin aktiv den Übergang Schule – Beruf mit.

Jetzt schon vormerken: Am 1. Oktober findet unsere Netzwerk-Veranstaltung “Aus der Schule in den Beruf – Diskriminierungskritische Schulentwicklung weiterdenken“ statt. Anmeldung per E-Mail an matthias.pfleger@bqn-berlin.de

Berufsberatung gemeinsam diskriminierungskritisch gestalten – unsere Fortbildungsreihe ist gestartet!

“Ich möchte Jugendliche nicht verarschen!” Mit diesen ehrlichen Worten brachte ein Teilnehmer unserer kürzlich gestarteten Fortbildungsreihe zur diskriminierungskritischen Berufsorientierung eine zentrale Herausforderung auf den Punkt.

In der Berufsorientierung treffen Wünsche der Jugendlichen auf gesellschaftliche Erwartungen und Hürden. Berufsberatende müssen eine schwierige Balance finden: Sie begleiten Jugendliche, die in einer Welt voll Diskriminierung berufliche Ziele verfolgen – und brauchen dafür als Beratende besondere Kompetenzen.

Deshalb dreht sich unsere Fortbildungsreihe um empowermentorientierte Ansätze für Berufsberatung und wie Berufsberatende Gleichberechtigung, Diversität und Wirkungskraft in der Berufsorientierung fördern können. Bereits in der ersten Sitzung wurde lebhaft diskutiert:

  • Wie kann ich als Berufsberatung eine Sprache entwickeln, die ermutigend und realistisch zugleich ist?
  • Wie gehe ich mit Diskriminierung im Kontext Berufsberatung um?
  • Und wie schaffe ich die Gratwanderung für realistisches Empowerment von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrungen?

Über die nächsten vier Monate lernen die Teilnehmenden:

  • was diskriminierungskritische Berufsorientierung ist
  • wie das in der Praxis gelingen kann
  • und welche Verantwortung und Möglichkeiten sie dafür als Berufsberatende haben.

Die erste Sitzung war bereits ein intensiver Austausch und wir freuen uns auf mehr!

Beratung zur diskriminierungskritischen Schulentwicklung – jetzt anmelden!

Beratung zur diskriminierungskritischen Schulentwicklung – jetzt anmelden!

Schulen gemeinsam diskriminierungskritisch gestalten! Melden Sie sich jetzt für die kostenfreie und maßgeschneiderte Beratung zur diskriminierungskritischen Schulentwicklung an!

BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz unterstützt Lehrkräfte und pädagogisches Personal an Berliner ISS, Oberschulen und OSZ, die im Sinne von Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Diversität wirken möchten. In unserer kostenfreien und maßgeschneiderten Beratung entwickeln wir gemeinsam schulische Strukturen und Bildungsräume im Einklang mit Antidiskriminierungs- und Schulgesetzen.

Unser Ziel ist es, dass junge Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Rassismuserfahrungen diskriminierungsfrei lernen und sich entwickeln können. Wir legen besonderen Wert auf ihre beruflichen Anschlusswege.

In der Beratung werden Sie befähigt, strukturelle Barrieren im Schulalltag zu erkennen und abzubauen. Die Beratung unterstützt Sie dabei, Ihre diskriminierungskritische Haltung weiterzuentwickeln und migrationsgesellschaftliche Kompetenzen auszubauen.

Die konkreten Beratungsschwerpunkte werden bedarfsorientiert festgelegt. Ob es um die Etablierung einer Diversity-AG mit aktiver Schüler*innenbeteiligung geht, den Ausbau antirassistischer Haltung und Kompetenzen im Schulkollegium oder die Weiterentwicklung diskriminierungskritischer Berufsorientierung – die Beratung orientiert sich an den spezifischen Bedarfen Ihrer Schule.

Der Beratungsprozess startet im April/Mai 2025 und erstreckt sich über 10-12 Monate mit insgesamt 8-10 Terminen. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Infoblatt.

Gestalten Sie mit uns Ihre Schule diskriminierungskritisch und chancengerecht – wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme!

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