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Schlagwort: Beratung

Wer Wirkung definiert, bestimmt, wessen Realität zählt

Wer Wirkung definiert, bestimmt, wessen Realität zählt

– Erkenntnisse aus unserer Wirkungsmessung im Kontext diversitätsorientierter Kompetenzentwicklung 

Autorin: Marta Gębala
Redaktion: Lara Chahal, Hannah Gedamu, Matthias Pfleger, Karina Sávio, Serdar Yazar

Wie wirksam sind Diversity-Trainings wirklich? Wie viel verändern Diversity-Klauseln in Stellenausschreibungen? Woran erkennen wir, dass ein Organisationsentwicklungsprozess im Kontext von Diversität und Antidiskriminierung mehr als gute Absicht ist? Die Frage, ob unsere Arbeit tatsächlich etwas bewegt, gehört zum inneren Kompass von BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz. Die regelmäßige Auseinandersetzung damit treibt uns an, neue Ansätze zu entwickeln und ist zugleich – nicht selten – Quelle von Frust, da wir immer wieder an Grenzen der Wirksamkeit stoßen. 

Im November 2025 wurden wir mit dem PHINEO Wirkt-Siegel für besonderes Wirkungspotenzial im Abbau von Diskriminierung ausgezeichnet. PHINEO gAG zeichnet damit Organisationen aus, die sich für Demokratie einsetzen und durch einen beson­de­ren Ansatz, hohe Qua­li­tät und mess­ba­re Wirk­sam­keit über­zeu­gen. Wir freuen uns über diese Anerkennung und verstehen sie zugleich als Einladung, unser Wirkungsverständnis und einige zentrale Erkenntnisse aus der Wirkungsmessung zur diversitätsorientierten Kompetenzentwicklung genauer zu erläutern. 

Wer definiert Wirkung? 

Für BQN heißt Wirkung: Diskriminierung und Diskriminierungsrisiken abbauen, Diversität in Strukturen einschreiben und Zugänge zu Macht und Ressourcen gerechter verteilen. Ein gutes Diversity-Training erkennen wir nicht am Applaus im Seminarraum. Eine gute Beratung nicht an hohen Zufriedenheitsquoten, sondern an Praxis, die sich verändert. Wirksamen Abbau von Diskriminierung erkennen wir an Veränderungen in der Funktionslogik, an neuen Routinen und veränderten Handlungsmustern – kurz: an allem, was Diskriminierung im Alltag tatsächlich schwieriger macht. Wie zeigt sich das konkret: 

Wenn eine Auswahlkommission nicht nur einen neuen Leitfaden zur diskriminierungskritischen Auswahl erarbeitet, sondern ihn in der Entscheidungssituation tatsächlich nutzt – auch unter Zeitdruck und im Konflikt. Wenn Betroffene nicht mehr die einzigen sind, die Rassismus benennen. Wenn Führungskräfte verstanden haben, dass Nicht-Reagieren auf Diskriminierung und Wegschauen eine Entscheidung ist, und nicht Neutralität. 

Gleichzeitig wissen wir: Diversity-Prozesse in Organisationen lassen sich als Beleg guter Absicht inszenieren. Diversity kann sehr gut funktionieren, ohne irgendetwas zu verändern. Institutionen lernen schnell, wie man die richtigen Begriffe und Hashtags findet, Leitbilder formuliert, Strategiepapiere verabschiedet, und gleichzeitig genau jene Routinen unangetastet lässt, die Diskriminierung täglich reproduzieren.  

Daher steht neben den gängigen Wirkungsmodellen wie verschachtelte Wirkungstreppe und Impact Evaluation im Zentrum unseres Wirkungsverständnisses die Einsicht, dass wirksamer Abbau von Diskriminierung nicht nur die Frage von sauberer Ziellogik und plausibler Indikatoren ist, sondern eine Frage von Perspektiven, Positionierungen und Entscheidungsmacht. Deshalb schauen wir bei unseren Vorhaben nicht nur auf Ziele und Maßnahmen, sondern auch auf die Architektur der Deutungshoheit: Wer ist dabei, wenn Ziele und beabsichtigte Wirkung definiert werden? Wer fehlt? Wer profitiert am Ende von der Zielerreichung bei diversitätsorientierten Prozessen? Das Image der Organisation? Oder Menschen, die Diskriminierung erfahren? Wer ist bei der Bewertung der Zielerreichung dabei? Wer Wirkung definiert und bewertet, bestimmt, wessen Realität in der Organisation zählt. Diese Fragen sind kein Zusatz. Sie sind der Kern dessen, was wir unter Wirkung verstehen und anstreben und – Korrektiv gegen Diversity als Selbstberuhigung.

Wirkung messen: ein Realitätscheck 

Unserem eigenen Anspruch in der Praxis gerecht zu werden, ist deutlich komplexer. Wirkung im Antidiskriminierungskontext lässt sich nicht mit einer Wunder-Metrik einfangen, deshalb arbeiten wir mit einer Toolbox aus quantitativen und qualitativen Ansätzen. Für unsere Kompetenzentwicklungsmaßnahmen haben wir modellhaft den Vorher-Nachher-Befragungsansatz entwickelt und erprobt: Teilnehmende werden vor und nach der Fortbildung zur Erweiterung migrationsgesellschaftlicher und Diversity-Kompetenz befragt, operationalisiert entlang von Wissen, Haltung und Handlung bzw. Können, zugeschnitten auf Anforderungsprofile, Tätigkeitsbezüge und konkrete Inhalte. Methodisch ist das stark. Die Alltagspraxis holt uns trotzdem ein: die Befragung bindet Aufmerksamkeit, die eigentliche Lernprozesse überlagern kann. In internen Formaten beeinflusst die betriebliche Mitbestimmung bzw. zustimmungspflichtige Gremien das Timing, der doppelte Fragebogen kostet Zeit und senkt die Rücklaufquote, und das Instrument ist nicht skalierbar, sondern muss für jede Fortbildung neu angepasst werden. Inhaltlich sehen wir deutliche Zuwächse in Wissen und Haltung, während Handlungsergebnisse nüchterner ausfallen – ein Hinweis nicht auf Scheitern, sondern darauf, dass Handlung im Organisationsalltag an mehr Bedingungen geknüpft ist: Vielleicht zeigt sie sich erst nach dem Seminarraum, wenn der Arbeitsalltag Raum dafür lässt, vielleicht brauchen wir mehr didaktische Handlungsproben, vielleicht erfassen wir Handlung noch nicht präzise genug. Um diese Hypothesen zu testen, ergänzen wir die Befragungen um strukturierte Fokusgruppeninterviews und Follow-up-Gespräche, und Reflexionsjournale der Durchführenden, die Veränderungsprozesse durchgehend dokumentieren und die wir mittels qualitativer Inhaltsanalyse auswerten – weil dort die Feinheiten sichtbar werden: wo Wirkung greift, wo sie stockt und welche Routinen sie wieder neutralisieren. Vor allem zeigen die Journale die Mikro-Momente der Veränderung, wenn Teilnehmende sich beim Sprechen selbst korrigieren, wenn Sprache präziser wird, wenn Menschen darauf achten, wie viel Raum sie einnehmen, und wenn die Glaubenssätze und biografischen Narrative erkennbar werden, die das Handeln bisher unbewusst mitgesteuert haben.

Jenseits der Zahlen

Was zeigt sich, wenn wir ehrlich hinschauen? Drei Erkenntnisse ziehen sich durch unsere Arbeit: 

Wirkung hat eine affektive Signatur. Unsere deskriptiven Erhebungen sind voll von einer affektiven Realität: Trotz, Kränkung, Erschöpfung, Hoffnung, Ärger. Sie benennen ungewöhnlich offen: rechtspopulistische Schatten im Raum, grundsätzliche Infragestellung antirassistischer Perspektiven, Überlastung, wütende Mails von Führungskräften, die den Aufwand nicht einsehen, und gleichzeitig Teamgefühl, politische Energie, das Gefühl, an etwas Wegweisendem zu arbeiten. Wenn wir von Wirkung sprechen, müssen wir diese affektive Dimension mitdenken: Wo markiert Widerstand, dass tatsächlich an Machtverhältnissen gerüttelt wird, und nicht nur an Formulierungen? Wo werden Konflikte zugunsten eines „harmonischen“ Fortbildungsklimas befriedet, und Wirkung damit neutralisiert? Wirkung ist nicht dort am größten, wo alle zufrieden sind, sondern dort, wo Organisationen bereit sind, Irritation, Konflikt und Uneindeutigkeiten auszuhalten, und trotzdem dranzubleiben.  

Organisationale Diversity-Kompetenz braucht Lernspiralen, keine Häppchen. Unsere Daten zeigen deutlich: Wissen und Haltung wachsen, Handlung weniger – zumindest kurzfristig. Das ist kein Argument gegen Fortbildungen, sondern für ihre richtige Architektur: Lernspiralen, kontinuierliche Lernräume, Fallarbeit und eine strategische Einbettung, die Handlung im Alltag möglich macht. Ein Training kann Orientierung geben – ob daraus Praxis wird, entscheidet die Organisation und die Tatsache, ob sie eine Erwartung formuliert, nicht zu diskriminieren, ob aktives diskriminierungskritisches Handeln anerkannt wird, oder als Störung betrachtet wird.  

Fehlende strukturelle Wirkung und Nebenwirkungen gehören zur ehrlichen Bilanz. Wir erleben Organisationen, in denen diversitätsorientierte Vorhaben, die auf der Konzeptebene und Formulierungen stehen bleiben, ohne, dass sich die Praxis der Organisation spürbar verändert. Genau deshalb sind langzeitorientierte Follow-up-Gespräche so wichtig. Es zeigen sich dort manchmal unerwartete, aber wertvolle Effekte: informelle Kommunikationspfade, neue Querschnittsallianzen, mehr Zirkulation zwischen Bereichen. Nicht jede Zielkurve trifft den Plan – aber manchmal entsteht genau dabei die Infrastruktur, die echte Veränderung später trägt. 

Entscheidend ist dabei die Bereitschaft, über das Ausbleiben der strukturellen Wirkung offen zu sprechen. Nicht als Makel, sondern als Arbeitsauftrag: als Motivation, andere Hebel zu suchen, Verantwortung klarer zu verankern und strukturelle Barrieren konsequenter zu adressieren. 

Wirkung trifft Macht

BQN begleitet Organisationen in diversitätsorientierter Organisations- und Kompetenzentwicklung aus einer klaren zivilgesellschaftlichen Verantwortung heraus. Unsere Arbeit wird überwiegend durch Fördermittel getragen. Diese Verortung konfrontiert uns – wie viele weitere Organisationen – mit einem weiteren Spannungsfeld der Wirkungslogik: einem politischen. 

Aktuell gerät Antidiskriminierungs- und Diversity-Arbeit unter Legitimationsdruck. Sie soll „wirksam“ sein, aber bitte schnell, konfliktfrei, reibungslos und in Zahlen belegbar. Genau hier droht der Wirkungsdiskurs in eine neoliberale Verkürzung zu kippen: Förderwürdig erscheint dann vor allem, was kurzfristig effizient aussieht und sich „glatt” messen lässt. Wirkung wird dabei mit Output verwechselt – mit hohen Teilnehmendenzahlen, schnell dokumentierbaren Aktivitäten und öffentlichkeitswirksam vorzeigbaren Signalen der Diversitätsorientierung. So entsteht ein Entlastungsnarrativ. Das verschiebt Prioritäten: Projekte geraten unter Druck, Events zu produzieren, statt Veränderung zu verankern, langfristige Strukturarbeit wird unterbetont und die Hinwirkung auf fachpolitische Rahmenbedingungen, die Diskriminierung begünstigen, bleibt unter dem Radar.   

Damit kehrt sich um, was am Anfang stand: die Frage, wer Wirkung definiert und bewertet. Wenn politische Konjunkturen, Förderlogiken und Verwaltungsroutinen vor allem am Entlastungsnarrativ orientierte Effizienz und Messbarkeit verlangen, bestimmen nicht mehr jene, die Diskriminierung erfahren, was als wirksam gilt –, sondern diese Logiken. Die Perspektive Betroffener ist in dieser Architektur strukturell nicht vorgesehen. Sie kommen kaum zu Wort. Und wenn doch, wird erwartet, dass auch dieses Wort „glatt” ist: messbar, „neutral”, administrativ handhabbar – möglichst anspruchslos und idealerweise dankbar für das gewährte Gehörtwerden. 

Gleichzeitig wird dieselbe Wirkungslogik zunehmend als Kontrollinstrument genutzt. Nicht nur dezidiert rechte, sondern auch konservative und sich als „Mitte” verstehende politische Kräfte greifen Wirkungsanforderungen auf, um zivilgesellschaftliche Antidiskriminierungsarbeit zu hinterfragen, kontrollieren oder delegitimieren. Während Betroffene also kaum Möglichkeit haben, Wirkung im Abbau von Diskriminierung einzufordern, haben jene, die Diskriminierung reproduzieren, zunehmend Macht, mit genau dieser Wirkungslogik kritische Arbeit unter Druck zu setzen. Je stärker Wirkungslogiken auf schnelle Zahlen zielen, desto mehr geraten selbst Antidiskriminierungsakteur*innen – zivilgesellschaftliche als auch staatliche – in eine Rechtfertigungsspirale und setzen einander unter Druck, statt sich strukturell zu entlasten.  

Wir weigern uns, Wirkung auf das zu reduzieren, was sich „glatt” und unstrittig beschreiben lässt. Unser Anspruch auf (Selbst-)Wirksamkeit dient dabei nicht dazu, Antidiskriminierungsansätze als „Produkte“ zu verkaufen oder unsere Arbeit marktgängig zu verpacken, sondern dazu, uns selbst an dem messen zu lassen, was wir politisch versprechen. Denn Wirkung ist in unserer Praxis kein technischer Messwert, sondern ein Aushandlungsprozess: Wir bringen Analyse, Prozesswissen und diskriminierungskritische Haltung ein; Organisationen ihre Macht, Ressourcen und die Bereitschaft, an eigenen Routinen zu rütteln. Erst in diesem Zusammenspiel – und mit der Perspektive derer, die Diskriminierung erfahren, im Zentrum – kann sich etwas verschieben. Kurzzyklische Wirkungslogiken, die nach einem Jahr „harte“ Zahlen verlangen, blenden diesen Zeithorizont aus, und entwerten am Ende genau jene Arbeit, die Diskriminierungsrisiken strukturell abbaut.  

Deshalb verstehen wir das PHINEO Wirkt-Siegel nicht nur als Anerkennung, sondern auch als Auftrag: weiterhin ehrlich zu messen, offen über Grenzen zu sprechen und die Frage nach Wirkung immer wieder politisch zu stellen. Wirkung bleibt für uns keine Frage von sauberen Zahlen, sondern eine Frage von Verantwortung, Perspektive und dem Mut, auch dann weiterzumachen, wenn der Weg unbequem wird – gegenüber unserem Anspruch, unseren Partner*innenorganisationen und vor allem gegenüber den Menschen, für die der Abbau von Diskriminierung keine abstrakte Zielsetzung, sondern existenziell ist.

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Erstberatungen für Berliner Schulen – jetzt einen Termin buchen!

Erstberatungen für Berliner Schulen – jetzt einen Termin buchen!

Du willst dich in Deiner Schule für Antidiskriminierung und Diversität einsetzen, weißt aber oft nicht, wie und wo du anfangen sollst? Du stehst nicht selten allein auf weiter Flur? Mit unserem neuen Beratungsangebot unterstützen wir Dich dabei, konkrete erste Schritte zu entwickeln.

Was ist die Erstberatung?

Wir geben Impulse für Schulen, die bereits am Thema arbeiten und helfen beim Prozessstart für alle, die beginnen möchten. Auch für Schulen, die nicht die Ressourcen für lange Prozessbegleitungen haben, aber dennoch im Kleinen starten möchten. Zusätzlich können sich interessierte Menschen in Schulen vernetzen und voneinander lernen.

Für wen ist das Angebot?

Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeiter*innen und alle anderen Schulakteur*innen in Berlin, die Veränderung anstoßen wollen.

Wichtige Hinweise

Dies ist keine Beratungsstelle für konkrete Diskriminierungsfälle an Schulen und deren Fallbearbeitung!

Dein Weg in die Erstberatung

Buche jetzt einen kostenlosen Termin über Calendly (Link unten).

Die Beratungsgespräche finden online oder telefonisch mit Alli Kamalanathan (sie/ihr) statt.

Fragen?

Melde Dich bei Alli Kamalanathan (sie/ihr):

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Reflexion, Haltung und Empowerment – gemeinsam Berufsorientierung gestalten

Wie kann empowernde und diskriminierungskritische Berufsorientierung gelingen? Wir blicken zurück auf unsere Fortbildungsreihe!

In den letzten Monaten hat Berlin braucht dich! NEO eine 3-modulige Fortbildungsreihe für Akteur*innen und Berufsberatende im Bereich der Berufsorientierung und -beratung durchgeführt. Teilnehmende haben Werkzeuge erhalten, um strukturelle Barrieren nachhaltig abzubauen und Gleichberechtigung sowie Wirkungskraft in der Berufsberatung zu fördern.

Verbindung schaffen, Wirkung stärken

Zentraler Ansatz war dabei “verbunden zu sein” – individuell und kollektiv. Es ging um die Verbindung mit den eigenen Werten, Emotionen, Haltung und Rolle als Berufsberatende*,* mit Kolleg*innen und der eigenen Organisation, sowie zu anderen Menschen und Organisationen im Kontext Schule – Beruf.

Ein Raum für Vernetzung, Inspiration und nächste Schritte

Wir haben uns ausgetauscht, diskutiert und Pläne geschmiedet:

  • Wie gehe ich mit Diskriminierung im Kontext Berufsberatung um?
  • Wie schaffe ich die Gratwanderung für realistisches Empowerment von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrungen?
  • Welche Verantwortung und Möglichkeiten haben Berufsberatende in ihrer Rolle?
  • Wie kann ich diskriminierungskritische Beratung in Schulen für mich selbst umsetzen?

Dabei war die Fortbildungsreihe ein Ort der Begegnung und Vernetzung. Mit Wärme, Herzlichkeit und Offenheit hatten Berufsberatende Räume für Austausch, um Inspiration zu sammeln und Kraft zu tanken.

Diskussionen machten auch Herausforderungen deutlich: unklare Hierarchien, Entscheidungen auf anderer Ebene als die Umsetzung, und berufliche Träger*innen, die wenig Verantwortung für strukturelle Veränderung übernehmen.

Was bleibt, sind die Erkenntnisse aus intensiven Austauschen, Reflexion der eigenen Rolle und konkrete Pläne für Veränderung in den Organisationen. Und nicht zuletzt die Erkenntnis:

Empowernde Berufsorientierung braucht solidarische Netzwerke!

Gemeinsam weiter – für einen gerechten Übergang von Schule – Beruf

Deshalb gestaltet Berlin braucht dich! NEO auch weiterhin aktiv den Übergang Schule – Beruf mit.

Jetzt schon vormerken: Am 1. Oktober findet unsere Netzwerk-Veranstaltung “Aus der Schule in den Beruf – Diskriminierungskritische Schulentwicklung weiterdenken“ statt. Anmeldung per E-Mail an matthias.pfleger@bqn-berlin.de

Verwaltung im Lernprozess: Räume für diskriminierungskritische Praxis schaffen

Am 25. Juni 2025 kamen auf der Veranstaltung „Diskriminierungskritische Verwaltung Jetzt! Haltung zeigen – Praxis stärken – Veränderung gestalten” Menschen aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Verantwortung, Lernprozessen und den Herausforderungen organisationaler Transformation.

Die Atmosphäre beim Ankommen war bereits von Wertschätzung geprägt. In musikalischer Begleitung von Toshín entstand ein offener Raum für Kennenlernen, Austausch und Reflexion – sowohl fachlich als auch emotional. Viele Teilnehmende äußerten im Nachgang, wie sehr sie den musikalischen Auftakt, als Einladung, sich auf den Tag mit all seinen Themen einzulassen, als Brücke zwischen Kopf und Gefühl, schätzten.

Den inhaltlichen Rahmen setzte die Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Canzel Kızıltepe:

Wenn der Gegenwind stärker wird, muss die Verwaltung Haltung zeigen und den Zusammenhalt verteidigen. […] Verwalten bedeutet gestalten. […] Demokratie bedeutet Haltung zeigen, besonders wenn Hass lauter wird.

Die Diskussionen des Tages bewegten sich zwischen verschiedenen Spannungsfeldern: der Rolle von “Neutralität” in der Verwaltung, organisationalen Veränderungsprozessen und der Frage nach gerechten Zugängen für alle Bürger*innen im Land Berlin. Dabei wurde deutlich: Veränderung darf nicht auf dem Papier stehen bleiben. Sie muss im direkten Kontakt mit Bürger*innen erfahrbar werden.

Diesen Ansatz verfolgt auch die Fachstelle Diversitätsorientierte Organisations- und Kompetenzentwicklung im Land Berlin (Fachstelle DOKE). Ihre Erfahrung zeigt: Verwaltung lernt nicht nur durch Leitlinien, sondern durch kontinuierliche Prozesse, Konflikte und systematische Zusammenarbeit. Lernen bedeutet hier, neue Perspektiven zu integrieren, Machtverhältnisse zu reflektieren und vor allem dranzubleiben!

Lernen, Teilen, Weiterdenken: Verwaltung als gestaltende Kraft

Den inhaltlichen Einstieg des Tages bildete die Präsentation der Weiterentwicklung des Diversity-Landesprogramms Berlin durch Wladlena Olesch und Friederike Talbot (Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung, LADS). Deutlich wurde: Das Diversity-Landesprogramm 2.0 zu diversitygerechten Verwaltungsleistungen zielt darauf, Verwaltungen darin zu unterstützen, ihre Leistungen für Bürger*innen diskriminierungskritisch zu überprüfen und bestehende Barrieren abzubauen.

Anschließend teilten Teilnehmende der DOKE Kompetenz-Werkstatt für Diversity-Multiplikator*innen ihre Praxiserfahrungen. Die DOKE Kompetenz-Werkstatt ist ein innovatives, praxisnahes Weiterbildungsangebot für Mitarbeitende aus öffentlichen Einrichtungen mit dem Ziel , Verwaltungstleistungen diversitätsorientiert und diskriminierungskritisch zu gestalten.

Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf betonte den Wert des geschützten Lernraums und des verwaltungsübergreifenden Austauschs: „Wir haben verschiedene Methoden der Organisationsentwicklung kennengelernt – z. B. Citizen Journeys –, die ich jetzt in der Praxis anwende.“ Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg) hob die strukturelle Bedeutung von Multiplikator*innen innerhalb der Verwaltung hervor: „Es gibt kein Anforderungsprofil für Diversity-Multiplikator*innen. Aber wir brauchen diese Rolle. Sie muss verankert werden.“ Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt ergänzte: „Diversity-Multiplikator*innen sind für das Thema [Diversitätsorientierung] da. Wir brauchen Räume wie diese Weiterbildung, um gemeinsam zu lernen und dranzubleiben.“

In den „Whispering Insights“ erhielten die Teilnehmenden konkrete Einblicke in Diversity- und Antidiskriminierungsvorhaben von Mitarbeitenden der Berliner sowie Hamburger Verwaltung. Dabei ging es nicht um abgeschlossene Best-Practice-Beispiele, sondern um reale Prozesse, Aushandlungen und auch Unsicherheiten:

  • Das Bezirksamt Lichtenberg berichtete über die aktuelle Arbeit an einer Diversity-Gesamtstrategie. Besonders hervorgehoben wurden die Merkmale des Prozesses: die Beteiligung von Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Fachbereichen und Verwaltungsebenen, die Entwicklung einer gemeinsamen Vision als strategische Grundlage sowie der Anspruch, die Strategie praxiswirksam zu implementieren.
  • Aus der Hamburger Verwaltung kam der Beitrag “Von der Antidiskriminierungs-Strategie zur Umsetzung – Einblicke zur Übergangsphase”. Die Strategieentwicklung folgte einem intensiven verwaltungsinternen Abstimmungsprozess. Nun geht es darum, diese Strategie mit ihren sechs Handlungsfeldern umzusetzen. Dafür wurde ein verwaltungsinternes Projekt “Diversynergy” beauftragt. Ein zentrales Ergebnis war, dass Antidiskriminierung als Thema etabliert und besprechbar gemacht worden ist und gezielt allies gewonnen werden konnten – mit erheblicher Außenwirkung. Gleichzeitig wurde das Spannungsfeld geöffnet, wie sehr in Strategieentwicklungsprozessen die konkrete Umsetzung mitgedacht werden kann.
  • Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen stellte ihren Entwicklungsprozess für ein Tool zum AGG-Beschwerdeverfahren vor, das den Ablauf des Verfahrens verständlich darstellen soll. Der Prozess erwies sich als sehr komplex und vielschichtig und erforderte eine detaillierte fachliche Auseinandersetzung. Das Tool soll nach Abschluss des Prozesses auch anderen Behörden zur Verfügung stehen.

Die Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit externen Partner*innen wie BQN und der Fachstelle DOKE in der Prozessbegleitung ist. Sie verdeutlichen die Vielfalt der Wege zu mehr Diversität und Teilhabe in der Verwaltung sowie die strategische Bedeutung des alltäglichen Verwaltungshandelns für die Umsetzung solcher Vorhaben. Damit dies gelingt, braucht es jedoch klare Mandate und ausreichende Ressourcen.

Verwaltung zwischen Neutralität und demokratischer Verantwortung

Das Panel „Wie politisch darf Verwaltung sein?“ bildete den Abschluss des inhaltlichen Programms. Der Entscheidung, ein Panel mit politischen und fachlichen Stimmen zu diesem Thema durchzuführen, ging eine intensive Diskussion im Organisationsteam der Veranstaltung voraus. In Zeiten rechtspopulistischer Diskursverschiebung, AfD-Wahlerfolgen und Angriffen auf demokratische Institutionen entstanden Unsicherheiten: Ist dies der richtige Moment für eine Diskussion über die politische Rolle der Verwaltung? Dürfen wir das? Müssen wir das sogar? Das Organisationsteam entschied: Ja, gerade weil diese gesellschaftlichen Entwicklungen die Diskussion so dringlich machen.

Das Panel war eine bewusste Positionierung gegen Gleichgültigkeit und Passivität und für eine klare demokratische Haltung. Auf dem Podium diskutierten Elif Eralp (MdA, Die Linke), Orkan Özdemir (MdA, SPD), Sebastian Walter (MdA, Bündnis 90/Die Grüne) gemeinsam mit Dr. Tim Wihl (Universität Erfurt), Eren Ünsal (Leitung der LADS) und Marta Gębala (Geschäftsführung von BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz). Die Moderation übernahm Serdar Yazar (Geschäftsführung von BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz). Die Diskussion bewegte sich um Verantwortung, Grenzziehungen, Angriffspunkte und die Frage, warum Verwaltung nicht unpolitisch sein kann und sie sich besonders ihrer politischen Verantwortung und Handlungsspielräume bewusst werden muss, wenn sie diskriminierungskritisch arbeiten will.

Dr. Tim Wihl stellte die rechtlichen Grundlagen klar: „Das Grundgesetz kennt keine politische Neutralität der Verwaltung. Es fordert parteipolitische und religiöse Neutralität. Vertreter*innen der Stadt sollen sich in ihrer Funktion nicht mit einer Partei oder Religion bzw. Weltanschauung identifizieren. Niemand darf aufgrund seiner Weltanschauung oder Parteizugehörigkeit diskriminiert werden. Der Staat muss keine Neutralität wahren, sondern das Grundgesetz vertreten.” Marta Gębala ergänzte aus organisationsentwicklerischer Sicht: „Unsere Organisationsentwicklungsprozesse sind nicht neutral [im Sinne von unparteiisch] – sie sind machtkritisch und positioniert.“

Eren Ünsal, Leiterin der LADS, betonte die menschenrechtliche Verpflichtung: „Wir sind verpflichtet, Menschenrechte zu verteidigen. Neutralität kann nicht bedeuten, Diskriminierung unwidersprochen zu lassen.“ Und Orkan Özdemir formulierte es praxisbezogen: „Neutralität wird oft missverstanden als Unsichtbarmachen von Gruppen. Aber Vielfalt sichtbar zu machen, ist unsere Aufgabe.“

Die Diskussion war lebendig und ehrlich. Und sie machte sichtbar, was während der gesamten Veranstaltung den ganzen Tag spürbar war: Es braucht Räume, in denen Widerspruch möglich ist. In denen politische und fachliche Perspektiven aufeinandertreffen und Verwaltung als gestaltende Kraft verstanden wird – nicht als neutrale Vollzugsinstanz.

Was bleibt

Die Veranstaltung endete nicht nur mit fertigen Antworten, sondern auch mit offenen Fragen sowie mit einem musikalischen Ausklang von Toshín, der als Ausdruck kollektiver Ermutigung wirkte: Haltung zu zeigen heißt manchmal auch, genau dann zu sprechen, wenn es unbequem ist.

Wir nehmen mit: Verwaltung kann und muss politisch sein, wenn sie in einer demokratischen Gesellschaft Verantwortung übernehmen will. Lernen ist dabei kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess organisationaler Entwicklung, den wir gemeinsam gestalten können.

Die diskriminierungskritische Verwaltungspraxis braucht sowohl strukturelle Veränderungen als auch individuelle Lernprozesse. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich auf Transformationsprozesse einzulassen und dabei sowohl fachliche als auch demokratische Haltung zu zeigen.

Warum wir Schulen zu Diversität und Antidiskriminierung beraten – 10 gute Gründe

Schulen haben die Aufgabe, allen Schüler*innen ein diskriminierungsfreies und inklusives Lernumfeld zu bieten. Doch strukturelle Hürden, unbewusste Vorurteile und fehlende Konzepte erschweren dies oft.

BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz führt im Rahmen des Projekts Berlin braucht dich! NEO seine langjährige Beratung für Schulen zu Diversität und Antidiskriminierung fort. Mit unserer umfassenden Expertise begleiten wir Schulen dabei, Diversität wertzuschätzen und Diskriminierung aktiv abzubauen.

Warum diese Beratung wichtig ist und wie wir Schulen konkret unterstützen – hier sind 10 gute Gründe.

  1. Damit junge Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Rassismuserfahrungen diskriminierungsfrei lernen und sich entwickeln können: Schüler*innen sollen ihre Energie auf das Lernen konzentrieren können, ohne durch Mikroaggressionen oder Diskriminierung belastet zu werden. Wir beraten Schulen, um Strukturen und Bildungsräume so zu gestalten, dass ein diskriminierungssensibel Lernumfeld entstehen kann.
  2. Damit strukturelle Barrieren abgebaut werden: Diskriminierung ist oft in den Strukturen und Abläufen der Schule eingebettet. Wir unterstützen Schulen dabei, ihre Abläufe, Regelwerke und Praktiken systematisch zu analysieren und diskriminierungskritisch zu gestalten.
  3. Damit Lernmaterialien und Berufsorientierungsformate diskriminierungskritisch sind: Wir überprüfen und entwickeln gemeinsam mit Schulen Unterrichtsmaterialien und Berufsorientierungsformate, die unterschiedliche Lebensrealitäten widerspiegeln und Stereotypen entgegenwirken.
  4. Damit Schüler*innen empowert werden: Wir unterstützen Schulen dabei, sichere Räume einzurichten, in denen Schüler*innen ihre Diskriminierungserfahrungen teilen können. Durch empowernde Ansätze stärken wir besonders Schüler*innen mit Rassismuserfahrungen in ihrem Bildungs- und Berufsweg.
  5. Damit Schule ein sicherer Ort für alle wird: Schule muss ein Ort sein, an dem sich jede*r sicher fühlt. Wir begleitenLehrkräfte und schulisches Personal dabei, ihre eigenen Privilegien und diskriminierungskritischen (In)Kompetenzen zu reflektieren, um eine professionelle und sichere Schulumgebung für alle zu schaffen.
  6. Damit gesetzliche Grundlagen umgesetzt werden: Schulen haben eine gesetzliche Verpflichtung, Diskriminierung zu verhindern und Chancengleichheit zu fördern. Unsere Beratung unterstützt bei der praktischen Umsetzung des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG), des Schulgesetzes Berlin und dem Berliner Partizipationsgesetz.
  7. Damit Lehrkräfte und pädagogisches Personal handlungssicher im Umgang mit Diskriminierung werden: Viele Lehrkräfte möchten Diskriminierung abbauen, fühlen sich aber unsicher. Unsere praxisorientierte Beratung vermittelt konkrete Strategien, um diskriminierende Situationen zu adressieren und eine diskriminierungskritische Haltung und Praxis im Schulalltag zu entwickeln.
  8. Damit Schulleitungen und Schulstrukturen Verantwortung übernehmen: Antidiskriminierung muss tief in den Strukturen von Schulen verankert werden. Wir arbeiten mit Schulleitungen an verbindlichen Strukturen: von regelmäßigen Fortbildungen bis hin zu diskriminierungssensiblen Schulordnungen und der Etablierung von Ansprechpersonen für Antidiskriminierung.
  9. Damit schulische Beschwerdestrukturen gestärkt und genutzt werden: Diskriminierung muss ernst genommen werden. Wir unterstützen Schulen bei der Einrichtungtransparenter und niedrigschwelliger Beschwerdemechanismen, sodass betroffene Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte gehört und geschützt werden.
  10. Damit Eltern als starke Verbündete in der Antidiskriminierungsarbeit einbezogen werden: Eltern sind entscheidende Verbündete im Kampf gegen Diskriminierung. Wir beraten Schulen, wie sie Eltern, insbesondere von Schüler*innen mit Rassismuserfahrungen, aktiv in den Prozess einbeziehen, und sie bei Anliegen rund um Diskriminierung unterstützen können.

Wandel braucht Zeit

Die Implementierung von diskriminierungskritischen und diversitätsorientierten Ansätzen in Schulen erfordert Zeit und kontinuierliche Arbeit. Wir unterstützen Schulen dabei, diesen Wandel nachhaltig zu gestalten und auch Widerstände konstruktiv zu bearbeiten.

Gemeinsam für diskriminierungskritische Bildung – BQN berät und begleitet Schulen auf dem Weg zu mehr Diversität und Antidiskriminierung.

Interesse?

Sie haben Interesse an der Beratung zur diskriminierungkritischen Schulentwicklung?

  • Offene Sprechstunde: In unserer wöchentlichen Online-Sprechstunde stellen wir unser Beratungsangebot und mögliche Beratungsthemen vor und beantworten Ihre Fragen. Sie findet bis zum 27.03. donnerstags von 14:00 – 15:00 Uhr auf Zoom statt: https://us06web.zoom.us/j/88212955280
  • Anmeldung: Wir laden Sie ein, kurz zu beschreiben, was Sie motiviert, die Beratung zur diskriminierungskritischen Schulentwicklung in Anspruch zu nehmen, und was Sie gerne konkret in Ihrer Schule verändern und weiterentwickeln wollen. Kontaktwege: • Online über diesen Link: https://shorturl.at/90MGN • Als E-Mail an matthias.pfleger@bqn-berlin.de • Als SMS oder Sprachnachricht an +49 176 84961275
  • Ansprechperson: Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Matthias Pfleger (er/ihm): E-Mail: matthias.pfleger@bqn-berlin.de, Telefon: +49 176 84961275 (Signal oder Anruf)

Wir freuen uns darauf, gemeinsame mit Ihnen einen nachhaltigen Beitrag zur Veränderung in Bezug auf Diversity und Chancengerechtigkeit an Ihrer Schule zu leisten!

Über Berlin braucht dich! NEO

“Berlin braucht dich! NEO- Kompetenz-Netzwerk für empowernde und diskriminierungskritische Organisations- und Personalentwicklung“ ist seit 2006 im Bildungsbereich aktiv. Wir setzten uns besonders für (junge) Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Rassismuserfahrungen ein. Mit innovativen Methoden, fundiertem Praxiswissen und klarer antirassistischer Haltung arbeiten wir daran, bestehende Ungleichheiten abzubauen, so dass langfristig der Zugang zu Berufsorientierung, Ausbildung und Berufseinstieg und -aufstieg im Land Berlin strukturell verbessert und gefördert wird. Die Schulberatung ist ein zentraler Baustein dieser Arbeit.

Vielfalt braucht Gemeinschaft – Interview mit der Staatssekretärin Ellen Haußdörfer

Im September 2024 haben Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege, und Marta Gębala, Geschäftsführerin von BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz, die Kooperationsvereinbarung für den Organisationsentwicklungsprozess in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege unterzeichnet.

„Vielfalt zu leben kann nur funktionieren, wenn es von Vielen mitgetragen wird“ – mit dieser Überzeugung treibt Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege, den Diversity-Prozess in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (SenWGP) voran. Im Gespräch schildert sie, warum die Förderung von Vielfalt für die Verwaltung entscheidend ist und wie der Weg dorthin gestaltet werden kann.

Die Fachstelle Diversitätsorientierte Organisations- und Kompetenzentwicklung im Land Berlin (kurz Fachstelle DOKE) begleitet die SenWGP in einem diskriminierungs-kritischen und diversitätsorientierten Organisationsentwicklungsprozess. Ziel ist es, Potenziale und Hemmnisse für eine Kultur der Wertschätzung von Vielfalt zu identifizieren und gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die den Wandel ermöglichen.

Im Interview spricht Ellen Haußdörfer darüber, wie wichtig externe Perspektiven für solche Veränderungsprozesse sind, welche Rolle die Hausleitung spielt und warum es für sie persönlich eine Herzensangelegenheit ist, Vielfalt im Verwaltungshandeln stärker zu verankern.

Im Gespräch

Welches Ziel verfolgen Sie in diesem Prozess? Welche Veränderungen streben Sie für die SenWGP an?

Mir geht es darum, einen stärkeren Fokus auf Diversity zu legen. Bei den vielen Fachthemen, die in unserem Haus bewegt werden, ist das ein Thema, das bisher möglicherweise ein wenig untergegangen ist. Wichtig ist mir, dass wir selbstkritisch schauen, wie wir als Senatsverwaltung in Bezug auf Vielfalt aufgestellt sind und vor allem, was wir besser machen können.

Daher wurde gemeinsam mit DOKE für die Prozessgruppe das Ziel formuliert, Potenziale und Hemmnisse für die Förderung einer Kultur der Wertschätzung von Vielfalt in der SenWGP zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln. Am Ende der Prozessbegleitung steht im besten Fall ein voller Maßnahmenkatalog, mit dem wir uns alle an die Arbeit machen können. Die eigentliche Veränderung wird dann erst beginnen.

Warum ist es für Sie persönlich wichtig, diesen Prozess anzugehen?

Für mich persönlich ist Vielfalt bzw. das Leben von Vielfalt ein wichtiges Anliegen. Das möchte ich auch als positives Signal an unsere Beschäftigten geben. Denn Vielfalt zu leben kann nur funktionieren, wenn es von Vielen mitgetragen wird. Dafür möchte ich werben.

Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft und diese soll sich auch in der SenWGP wiederfinden. Mir ist es wichtig, dass sich alle Mitarbeitenden an ihrem Arbeitspatz in der SenWGP wohlfühlen und akzeptiert sehen, so wie sie sind.

Welche Bedeutung und Relevanz kann dieser Prozess bei der SenWGP für die gesamte Berliner Verwaltung haben?

Diversity ist ein Thema mit dem sich die gesamte Berliner Verwaltung auseinandersetzt. Hier haben wir ja auch bereits ein gutes Fundament, zum einem mit entsprechenden Gesetzen wie zum Beispiel dem Landesantidiskriminierungsgesetz oder dem Partizipations- und Migrationsgesetz, zum anderen mit dem Diversity-Landesprogramm und dem entwickelten Leitbild „Weltoffenes Berlin – chancengerechte Verwaltung“. Das sind alles gute Grundlagen für die Berliner Verwaltung, die uns bei der Gestaltung des Prozesses unterstützen.

Unser Prozess in der SenWGP kann hoffentlich als Best Practice für andere Verwaltungen dienen, wenn es darum geht, wie man dieses Thema gut in der Praxis umsetzen und wie man dies möglichst partizipativ gestalten kann. Eine Organisationskultur ist prägend für alle ihre Mitglieder, sie wirkt sich wesentlich auf die Identifikation mit der Organisation und das Wohlbefinden ihrer Mitglieder aus. Ich hoffe, wir können mit dem Prozess ein positives Beispiel dafür geben, wie sich eine Verwaltung auf den Weg hin zu einer Kultur macht, die Vielfalt als etwas Notwendiges und Wertvolles anerkennt.

Wie werden Sie den Prozess auch zukünftig weiterhin unterstützen?

Als Auftraggeberin des Diversity-Prozesses sehe ich mich in der Pflicht, auch als Vorbild voranzugehen, und Vielfalt möglichst immer mitzudenken, und auch immer wieder darüber zu kommunizieren.

Auch wenn ich kein Mitglied der Prozessgruppe bin, hoffe ich damit flankierend zu unterstützen. Ich denke, in Veränderungsprozessen, die tragen sollen, ist zentral, dass immer wieder seitens der Hausleitung signalisiert wird, dass diese Veränderung gewünscht und unterstützt wird. Dies soll für alle unsere Beschäftigten sichtbar sein. Aber auch nach außen möchte ich, dass die SenWGP als eine Organisation, der Vielfalt wichtig ist, wahrgenommen wird.

Warum ist es auf Ihrer Sicht sinnvoll, Ihr Diversity-Vorhaben extern durch die Fachstelle DOKE begleiten zu lassen?

Ich habe mich sehr gefreut, dass wir im Interessenbekundungsverfahren für eine Begleitung durch DOKE ausgewählt wurden. Wenn es darum geht eine Organisationskultur zu transformieren, sehe ich es als sehr hilfreich an, den Blick von außen als Erweiterung der Perspektive mit dazu zu nehmen. Und darum geht es doch vor allem beim Thema Vielfalt, um das Einnehmen und Berücksichtigen vieler Perspektiven, darum, möglichst viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen mitzudenken.

Außerdem bringt DOKE sowohl im Themenfeld Diversity als auch in der Organisationsentwicklung viel Expertise mit, von der wir nur profitieren können. Und wir erweitern meiner Ansicht nach durch die Begleitung auch den Lernraum für alle Beteiligten.

Was wünschen Sie der Prozessgruppe, die mit Ihrem Mandat an der Verwirklichung des Ziels arbeiten wird?

Ich freue mich sehr, dass es solch eine positive Resonanz auf den Aufruf zur Beteiligung an der Prozessgruppe gab und in dieser alle Abteilungen, Mitarbeitende wie Führungskräfte und auch alle Beschäftigtenvertretungen vertreten sind.

Ich wünsche der Gruppe, dass sie einen fruchtbaren Austausch miteinander erlebt, verschiedene Perspektiven einfließen können, sie motiviert zusammenarbeitet und für unser Haus gute Maßnahmenvorschläge entwickelt, die unsere Kultur in Bewegung bringen werden.

Vor allem aber wünsche ich der Prozessgruppe viel Spaß und Freude bei der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Thema Diversity in der SenWGP!