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Neuigkeit
1. Juni 2026

Strukturen verändern, nicht Menschen anpassen: Rückblick auf die Fachveranstaltung “WANDELBAR – kreative Impulse für diskriminierungskritische Räume” von Berlin braucht dich! NEO

Am 06.05.2026 lud Berlin braucht dich! NEO zur Fachveranstaltung WANDELBAR – kreative Impulse für diskriminierungskritische Räume ins Berlin Global Village. Über 70 Teilnehmende aus Schulen, der Berufsorientierung, Verwaltung, Betrieben, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um gemeinsam zu diskutieren und zu fühlen, was es bedeutet, Strukturen zu verändern und diskriminierungskritische Räume zu gestalten. Der Tag markierte das Ende der aktuellen Förderphase und war damit ein Moment des Innehaltens. Drei Jahre, in denen 13 Organisationen beraten wurden, zwei Fortbildungsreihen Multiplikator*innen gestärkt haben und immer wieder fachpolitische Impulse zum PartMigG gesetzt wurden.

Austausch während der Kennenlernrunde | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Ein politisches Signal zum Auftakt

Das Grußwort von Cansel Kızıltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, setzte den Rahmen und betonte die Wirkung des Projekts. Ihr Beitrag würdigte die Arbeit des Projekts: Seit fast 20 Jahren spricht Berlin braucht dich! über Diskriminierung und Ungleichheiten und setzt konkret an den Strukturen an. Durch das Stärken junger Menschen, das Eröffnen von Perspektiven und das Begleiten von Organisationen in der kritischen Reflexion von Handlungsweisen und Zugängen, sensibilisiert Berlin braucht dich! NEO und macht zugleich klar, dass diskriminierungskritische Perspektiven kein Extra sind.

Senatorin Cansel Kızıltepe während ihres Grußwortes | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Keynote: Auf dem Weg zu einer Welt frei von systemischer Unterdrückung

In ihrer Keynote nahm Dr. Emilia Roig die Teilnehmenden mit auf eine tiefgehende Auseinandersetzung mit intersektionaler Gerechtigkeit. Sie beleuchtete die Notwendigkeit, Differenzen als Konstruktionen für Hierarchisierung zu verstehen und zeigte auf, was es braucht, um diese Konstruktionen zu überwinden.

Dr. Emilia Roig während ihrer Keynote zu intersektionaler Gerechtigkeit | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Die Ausstellung: Wandel spürbar machen

Das Herzstück des Tages war die interaktive Ausstellung. Die Ausstellung machte praxisnah und emotional erfahrbar, wie die Arbeit an diskriminierungskritischen Strukturen aussehen kann und welche Fragen sie aufwirft. Wer hat Macht, und wer nicht? Welche Strukturen schützen, welche schließen aus? Und was kann ich eigentlich tun, wenn ich etwas verändern will?

Ob bei einer Traumreise zur eigenen Berufsorientierung, dem Spiegel zur eigenen Macht oder dem Privilegien-Rucksack – die Ausstellung machte spürbar, was Veränderungsprozesse wirklich bedeuten: Widerstand erleben und bearbeiten, Gefühle wahrnehmen, gemeinsam mit Kolleg*innen den Ermessensspielraum erweitern. Teilnehmende konnten auf Spurensuche gehen und nachvollziehen, was entstanden ist: erprobte Werkzeuge, angewendete Methoden und vor allem Stimmen von Menschen, die diesen Weg mitgegangen sind.

Teilnehmende in WANDELBAR – unserer interaktiven Ausstellung | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Von der Theorie in die Praxis: Die Diskussionstische

An fünf Diskussionstischen kamen Expert*innen aus Verwaltung, Schule, Kultur und Politik mit den Teilnehmenden in den Austausch. Die Teilnehmenden hielten gelungene und vielversprechende Ansätze für diskriminierungskritische Strukturen fest. Aber auch einige Forderungen und Leerstellen, wo es in Zukunft noch weitere Strukturen, Ressourcen und Verbindlichkeiten braucht.

Damit junge Menschen vor Diskriminierung geschützt werden, betonten die Teilnehmenden die Wichtigkeit von mit Ressourcen ausgestatten Anlaufstellen und transparenten Interventionsverfahren an Schulen. Weiterhin brauche es eine Weiterentwicklung des Landeskonzepts für Berufliche Orientierung, das strukturelle Ungleichheiten im Übergang Schule-Beruf anerkennt, sowie Teilhabe und den Abbau von Diskriminierungsrisiken als Querschnittsaufgaben schulischer Berufsorientierung einfordert.

An den Diskussionstischen rund um das PartMigG ging es um die Etablierung von Plänen zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Migrationsgeschichte (Förderpläne) und die strukturelle Verankerung migrationsgesellschaftlicher Kompetenz in Organisationen. Mit Blick auf die Förderpläne hielten die Teilnehmenden fest, wie wichtig ein strategisches Vorgehen, ein nachhaltiges Monitoring, eine gute Kommunikation in die Organisation hinein und intersektionale Synergien mit weiteren, bestehenden Antidiskriminierungsvorhaben in der Organisation seien. Um migrationsgesellschaftliche Kompetenz systematisch als Schlüsselqualifikation zu verankern, brauche es passende, im Arbeitsalltag verankerte Tools sowie Lern- und Austausch-Räume für unterschiedliche Beschäftigtengruppen. Die Teilnehmenden wiesen aber auch darauf hin, dass es an verbindlichen Konsequenzen fehle, wenn Organisationen ihren Pflichten nach PartMigG nicht nachkommen.

Die Runden zeigten also: Die Fragen, die das Projekt drei Jahre lang begleitet haben, sind noch längst nicht abschließend beantwortet. Sie brauchen weitere Räume, weitere Stimmen und weitere Verbindlichkeit.

Teilnehmende diskutieren zum PartMigG | © BQN – Zentrum für Diversitätskompetenz; Fotografin: Salima Hamrini

Wir bleiben dran – wie es jetzt weitergeht:

Auch nach der Fachveranstaltung bleibt im Projekt Berlin braucht dich! der Fokus auf gerechte Zugänge zu beruflicher Bildung, Ausbildung, Beschäftigung und beruflichem Aufstieg.

Weiterhin werden wir in den nächsten Jahren Behörden und landeseigene Betriebe zur Umsetzung des PartMigG begleiten und beraten – zukünftig mit einem noch stärkeren Schwerpunkt auf die Entwicklung von Förderplänen nach PartMigG.

Auch der Übergang von der Schule in den Beruf und der Berufseinstieg in betriebliche Ausbildung bleibt ein wichtiges Kernanliegen des Projekts. Insbesondere im Fokus sind hier der Abbau von Diskriminierungsrisiken und das Gestalten empowerment- und teilhabe-orientierter Angebote für junge Menschen mit Migrationsgeschichte.

Handlungsleitend im Projekt ist weiter der Ansatz an Strukturen. Und die Überzeugung, dass Wandel möglich ist – wenn wir ihn gemeinsam gestalten.