Verwalten gegen Rassismus.
Kollaborative Handlungsansätze aus Zivilgesellschaft, Forschung und Verwaltung
Dass Rassismus auch in Behörden wirkt – in Routinen, Verfahren und Entscheidungsprozessen –, ist inzwischen umfassend belegt. An Erkenntnis mangelt es nicht, auch nicht an politischen Bekenntnissen und Strategien. Woran es fehlt, ist der Schritt danach: die Übersetzung in konkretes, alltagstaugliches Verwaltungshandeln.
Verwalten gegen Rassismus schließt genau diese Umsetzungslücke. Wir bleiben nicht bei Sensibilisierung stehen, sondern entwickeln gemeinsam mit Zivilgesellschaft, migrantischen Selbstorganisationen, Wissenschaft und Verwaltung Handlungsansätze, die rassismuskritische Prinzipien in konkrete Verwaltungsprozesse übersetzen – mit klaren Verantwortlichkeiten statt unverbindlicher Empfehlungen.
Projektinhalte
Ziele
Das Ziel des Projektes ist eine Verwaltung, in der rassismuskritisches Handeln selbstverständlicher Teil professioneller Arbeit ist. Die Voraussetzungen dafür sind besser, als oft angenommen. Denn an Wissen fehlt es nicht: Zivilgesellschaftliche Organisationen und migrantische Selbstorganisationen entwickeln seit Jahren Expertise und Praxis gegen Rassismus, und auch in vielen Behörden bringen Mitarbeitende antirassistische Haltung und Grundlagenwissen mit. Was fehlt, ist die Verbindung – Formate, in denen dieses Wissen zusammenkommt und in konkretes Verwaltungshandeln übersetzt wird. Genau das schafft das Modellprojekt: kollaborative Strukturen, in denen die Expertise der Zivilgesellschaft zum zentralen Bezugspunkt für eine rassismuskritische Vision und Praxis von Verwaltung wird. Daraus entstehen übertragbare Handlungsansätze und Qualitätskriterien für zentrale Handlungsfelder wie Personalarbeit, Verwaltungsleistungen, Strategieentwicklung und Organisationskultur – bundesweit anwendbar.
Drei Phasen über zwei Jahre
Phase 1 – Vision entwickeln: Expert*innen aus Zivilgesellschaft, migrantischen Selbstorganisationen, Wissenschaft und Verwaltung entwerfen gemeinsam eine Vision und ein Narrativ für rassismuskritische Verwaltungspraxis – mit der Perspektive der Zivilgesellschaft als zentralem Bezugspunkt. In Praxis-Labs entstehen daraus praxisnahe Handlungsansätze zum Abbau und zur Prävention von Rassismus in Verwaltungsabläufen und -strukturen.
Phase 2 – Erproben und übertragen: Die entstandenen Ansätze erproben und evaluieren wir modellhaft in vier Bundes- und Landesverwaltungen, begleitet durch Fachberatung vor Ort. Was sich bewährt, bereiten wir als konkrete Tools auf, die andere Verwaltungen direkt nutzen und implementieren können.
Phase 3 – Flächendeckend qualifizieren: Die erprobten Ansätze fließen in eine fünftägige Fortbildung für Multiplikator*innen rassismuskritischer Verwaltungspraxis, die wir gemeinsam mit Fortbildungsinstitutionen der öffentlichen Verwaltung entwickeln. Ein erster Prototyp startet zum Projektende und kann anschließend dauerhaft in die Fort- und Weiterbildungsstrukturen auf Landes- und Bundesebene übergehen.
So arbeiten wir
Kollaborativ und multiperspektivisch: Zivilgesellschaft, migrantische Selbstorganisationen, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten nicht über-, sondern miteinander – als gleichberechtigte Wissensakteur*innen. Verwaltungsvertreter*innen bringen institutionelle, rechtliche und umsetzungsbezogene Expertise ein; zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Forschende rassismuskritisches Fachwissen, Betroffenenperspektiven und aktuelle Forschung. Nur so lassen sich auch die intersektionalen Erscheinungsformen von Rassismus wirksam adressieren.
Dabei entsteht mehr als ein Maßnahmenkatalog: ein bundesweites Netzwerk, das über das Projektende hinaus besteht und als wachsender Raum für Praxisaustausch und kollektives Lernen wirkt. Multiplikator*innen erhalten hier Rückhalt und Sichtbarkeit, das Netzwerk wiederum kontinuierliche Einblicke in die Verwaltungspraxis.
Uns interessiert nicht die punktuelle Sensibilisierung, sondern der dauerhafte Kulturwandel: hin zu einer widerständigen, resilienten Verwaltung, deren Handeln sich an den Bedarfen und diversen Lebensrealitäten von Bürger*innen orientiert.
Was uns auszeichnet
- Umsetzung statt Absichtserklärung: Wir schließen die Lücke zwischen politischen Zielen und Verwaltungsalltag
- Zivilgesellschaft im Zentrum: Ihre Expertise ist unser zentraler Bezugspunkt – nicht nachträgliche Beteiligung, sondern Ausgangspunkt
- Klare Benennung: Wir sprechen von Rassismus – weil man nur abbauen kann, was man benennt
- Strukturen statt Einzelfälle: Wir adressieren Routinen, Prozesse und Organisationskulturen
- Bundesweit gedacht: Übertragbare Tools und Qualitätskriterien statt isolierter Modellversuche – anwendbar auch dort, wo es keine Landesantidiskriminierungsgesetze gibt
- Demokratie stärken: Eine rassismuskritische Verwaltung ist Teil einer wehrhaften Demokratie – gerade angesichts des wachsenden politischen Rechtsdrucks
Für wen ist das Projekt relevant?
Verwalten gegen Rassismus richtet sich an zivilgesellschaftliche Organisationen, migrantische Selbstorganisationen, Verwaltungen und Behörden auf Bundes- und Landesebene, Wissenschaftler*innen und Fortbildungsinstitutionen der öffentlichen Verwaltung, die rassismuskritisches Verwaltungshandeln konkret und verbindlich gestalten wollen und dafür nicht bei null anfangen müssen. Ob in den Praxis-Labs, als Modellverwaltung in der Fachberatung oder im wachsenden Netzwerk: Hier kommt zusammen, was längst da ist.
Das Projekt wird – vorbehaltlich der Bewilligung – aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Beauftragten der Bundesregierung für Antirassismus gefördert.