BQN im Gespräch
BQN im Gespräch ist unser Interviewformat. Wir sprechen mit Menschen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über strukturelle Fragen im Kontext von Diversität und Antidiskriminierung – immer eingebettet in die Arbeit unserer Projekte.
Care-Arbeit sichtbar machen – Weiterbildung intersektional verankern
Stimme aus dem Netzwerk: Jo Lücke, Liga für unbezahlte Arbeit
Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ war Jo Lücke von der Liga für unbezahlte Arbeit als Teilnehmende vertreten. In den Gesprächen rund um DiAnker wurde deutlich, wie zentral unbezahlte Care-Arbeit für Fragen von Chancengleichheit, Weiterbildung und sozialpartnerschaftlicher Verantwortung ist – und wie selten diese Perspektive bislang systematisch mitgedacht wird.
Zukunftsfähige Weiterbildung muss unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und Räume schaffen, in denen diese Perspektiven auch zu Wort kommen können. Care-Arbeit findet häufig im Privaten statt, prägt jedoch maßgeblich Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen. Die Liga für unbezahlte Arbeit arbeitet genau an dieser Schnittstelle: zwischen privaten Sorgeverhältnissen und jenen Arenen, in denen Arbeit organisiert und verhandelt wird.
Sozialpartnerschaft: Care-Arbeit verhandelbar machen
Care-Arbeit aus dem Privaten herausholen, sichtbar machen und politisch verhandelbar machen – dafür braucht es starke sozialpartnerschaftliche Allianzen.
Sozialpartner*innen können eine zentrale Rolle übernehmen, um Care-Arbeit stärker in betriebliche Kontexte und Weiterbildungsstrukturen zu integrieren. Gerade Weiterbildungsangebote bieten die Möglichkeit, Care-Arbeit als gleichstellungspolitisches und arbeitsmarktpolitisches Thema zu verankern – nicht nur für einzelne Zielgruppen, sondern auf allen Ebenen derjenigen, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen gestalten.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dieses Potenzial: In einem großen Unternehmen wurden sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende zu gleichstellungspolitischen Themen angesprochen. Die parallele Ansprache verschiedener Ebenen erwies sich als besonders wirksam und wird inzwischen weiter ausgerollt. Solche Ansätze zeigen, wie Weiterbildung zum Hebel für strukturelle Veränderung werden kann.
Warum diskriminierungskritische Weiterbildung jetzt entscheidend ist
Im Gespräch mit Lisa Paus, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ haben wir mit der Bundestagsabgeordneten Lisa Paus darüber gesprochen, warum diskriminierungskritische Weiterbildung eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist – und welche politischen Rahmenbedingungen es dafür jetzt braucht.
Diskriminierungskritische Weiterbildung strukturell verankern
Im Gespräch mit Micha Klapp, Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (Berlin)
Auf unserer Netzwerkveranstaltung „300 Tage DiAnker“ haben wir mit Micha Klapp – Staatssekretärin für Arbeit und Gleichstellung in der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung – darüber gesprochen, wie diskriminierungskritische Weiterbildung nachhaltig in Betrieben, in der Sozialpartnerschaft und in der öffentlichen Verwaltung verankert werden kann.
Sozialpartnerschaft: Verantwortung gemeinsam wahrnehmen
„Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände können gemeinsam entsprechende Regelungen schaffen.“
Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen bieten aus Sicht der Staatssekretärin wichtige Ansatzpunkte, um Weiterbildung nicht nur als Qualifizierungsinstrument, sondern auch als Feld von Vielfalt und Antidiskriminierung zu denken. Sozialpartnerschaftliches Handeln wird damit zu einem zentralen Motor für strukturelle Veränderung.
Außerdem macht Micha Klapp deutlich, dass Betriebsräte über das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zentrale Rechte und Instrumente haben, um gerechtere Zugänge zu Weiterbildung zu ermöglichen. Über konkrete Regelungen können so Barrieren abgebaut und mehr Beschäftigten echte Teilhabe eröffnet werden.